Kettenbrief vor allem an Weidener Schulen in Umlauf
Dieser krebskranke Junge existiert nicht

Weiden. (ps) Das Thema geht zu Herzen, und weil es sich angeblich um einen krebskranken Jungen handelt, ist jeder gern zur Hilfe bereit. Sehr zum Bedauern des Universitätsklinikums Tulln. Die Herzen der Verantwortlichen dort schlagen zwar auch höher, allerdings wohl eher aus Wut.

Der Grund: Seit etwa 14 Jahren geistert ein Kettenbrief durch deutsche Lande, der dem österreichischen Klinikum unnötig Arbeit beschert. Darin heißt es, ein siebenjähriger krebskranker Junge, habe nur noch den einen Wunsch: mit der weltgrößten Adressensammlung ins Guiness-Buch der Rekorde einzugehen. Dieses Schreiben ist seit einigen Wochen auch in Weiden in Umlauf, dürfte unter anderem fast alle Weidener Schulen erreicht haben.

In der Clausnitzerschule hat es Rektorin Silvia Bäumler gleich "weggeklickt". In der Montessorischule traf keine E-Mail ein, sondern ein richtiger Brief per Post. "Bei einem krebskranken Kind denkt man erstmal an Unterstützung, auch wenn einem die Sache mit dem Kettenbrief stutzig macht", erklärt Betriebsleiterin Gerda Högl-Siegler dazu. "Aber zum Glück hat unsere Verwaltungsfachfrau vorher nachgeschaut, was es mit dem Schreiben auf sich hat. Da gehen einem die Augen über, was so ein Brief alles auslöst."

An zehn Adressaten - vor allem Behörden und öffentliche Einrichtungen - solle der Brief weitergeleitet werden, lautet die Bitte, um den angeblichen Wunsch des schwerkranken Siebenjährigen zu erfüllen. Diesen Jungen hat es nach Angaben des Uni-Klinikums Tulln nie gegeben. Doch die Hilfsbereitschaft, die dem Knaben zuteil wird, macht den Österreichern seit Jahren schwer zu schaffen. "Das Universitätsklinikum Tulln erhält an Spitzentagen bis zu 100 Briefe!" ist auf der Homepage des Krankenhauses zu lesen. Von den Mitarbeitern in Schulen, Ämtern und anderen öffentlichen Einrichtungen, die mit dem Schreiben unnötig beschäftigt werden, mal abgesehen.

Der Fall ist nach Angaben der Österreicher bereits den Spam- und Betrugsexperten der Technischen Universität Berlin bekannt. Die konnten bisher allerdings auch nicht verhindern, dass die nervige Post weiter fließt. Der dringende Appell aus Tulln lautet deshalb: "Sollten Sie den Kettenbrief erhalten, bitten wir Sie daher diesen nicht zu beantworten oder weiterzuleiten!" Eine Bitte, die hoffentlich bei allen Empfängern - nicht nur in Weiden - ankommt.
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