Kinder gefangen im Netz

Handy vor, in und nach der Schule. Die eifrigsten Nutzer von digitalen Medien sind nicht computerverliebte Informatiker, sondern unsere Kinder. Experten klärten Eltern am Augustinus-Gymnasium über Gefahren und Chancen auf.

Fünf Jugendliche sitzen schweigend im Café und tippen in ihren Handys. Viele Erwachsene schütteln darüber nur den Kopf. Um Kinder sicher durch die digitale Welt zu begleiten, bedarf es doch ein bisschen mehr. Das Augustinus-Gymnasium präsentierte am Mittwoch einen Infoabend zu "Chancen und Gefahren im Netz". Lehrerin Birgit Zimmermann und Schulleiter Helmut Matejka gewannen hierfür hochrangige Experten. Sie gaben Tipps, wie Eltern ihre Kinder durch heikle Themen wie Datensicherheit, Cybermobbing und Persönlichkeitsrechte führen können. Eine wichtige Expertin konnte leider nicht erscheinen: die gebürtige Weidenerin Eva-Maria Kirschsieper, Head of Public Policy bei "Facebook". Eine Liveschaltung aus Berlin scheiterte an der schlechten Internet-Verbindung.

Internet weiß alles über Sie

Doch umso interessanter war der Beitrag von Oliver Oursin, Verantwortlicher für Datenanalyse beim internationalen IT-Konzern IBM. Er wies darauf hin, dass Kinder oft sehr naiv mit der Technik umgingen. Der Coolness-Faktor sei wichtiger als Datenschutz. Die unschuldig veröffentlichte Nachricht "Juhu, sind für drei Wochen im Urlaub" könne für Kriminelle durchaus interessant sein. "Das Internet weiß, wie Sie heißen, wo Sie wohnen, wo Ihre Kinder sich nach der Schule aufhalten und was sie mögen", erklärt der IBM-Mitarbeiter. Persönliche Daten seien jedoch ein Wert, den man nicht so einfach hergeben sollte. Jedes Bild und jedes Posting verfolge die Kinder zuweilen ihr ganzes Leben, warnt er. Digitale Medien seien wichtig für sozialen und beruflichen Erfolg, deshalb sollten Kinder auf einen positiven Eindruck achten. Auch Telefonnummer und private E-Mail seien im Netz tabu, sagt der Experte.

Auch Andreas Wagner, Medienpädagogisch-informationstechnischer Berater vom Kultusministerium Bayern, warnt vor unbedachter Datenweitergabe. "Das ist schon lange kein Telefon mehr, sondern ein persönlicher Überwachungsassistent", sagt er mit Blick auf sein Smartphone. Ein Vater wirft ein: "Das ist die Lebenswirklichkeit der Kinder. Die Technik aus der Schule auszuschließen, wäre fatal." Wagner stimmt zu und gibt positive Beispiele für den Einsatz digitaler Medien im Schulalltag.

Cybermobbing ist das Thema von Stefanie Carrera, Präventionsbeamtin bei der Polizeiinspektion Weiden: "Wenn ich Klassen besuche, gibt es immer mindestens einen Schüler, der ein Cybermobbing-Opfer im unmittelbaren Lebensumfeld kennt."

Cybermobbing verbreitet

Peinliche Videos, anstößige Bilder und beleidigende Nachrichten seien für viele zugänglich und können Kinder und Jugendliche psychisch stark unter Druck setzen. Nicht wenige würden erpresst und tun alles, damit verfänglichen Dokumente nicht veröffentlicht werden, weiß Carrera. Wenn Kinder sich auffällig verhielten oder zurückgezogener seien, sollten die Eltern nicht nur an Liebeskummer und schlechte Noten, sondern auch an Cybermobbing denken, rät die Polizistin. Doch in diesem Fall stünden Schulberatungsstellen, die Polizei und zahlreiche Beratungsstellen im Internet bereit.
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