Kinderzimmer in Flammen

Großeinsatz an der Ecke Kurfürsten-/Moltkestraße: Dichter Qualm drang am Samstag gegen 14 Uhr aus den Fenstern im ersten Stock des Mehrfamilienhauses. Bilder: Dobmeier

Erst brennt der Teddy. Dann das ganze Zimmer. Beim Brand eines Mehrfamilienhauses am Samstag erleiden drei Bewohner eine Rauchvergiftung, der Schaden beträgt mindestens 100 000 Euro. Der Verursacher ist gerade mal vier Jahre alt.

(rg/rdo) Er wollte doch nur spielen. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei stopfte der Bub eine heiße Schreibtischlampe in seinen Teddybären. Dessen Futter fängt Feuer. Der Vierjährige versucht's noch mit Pusten. Vergeblich. Die Flammen greifen aufs Zimmer über, aus den Fenstern im ersten Stock dringt dichter Qualm. Samstag, 14 Uhr: Die Feuerwehr rückt aus. Weit muss sie nicht fahren: in die Kurfürstenstraße, keine 200 Meter von der Feuerwache entfernt.

Zunächst zwei Vermisste

Dramatische Szenen vor dem Anwesen 14 an der Ecke Moltkestraße: Bewohner, die sich bereits ins Freie gerettet haben, berichten der Wehr, dass sich möglicherweise noch zwei Menschen im Sechs-Parteien-Haus aufhalten. Im fast völlig verrauchten Treppenhaus stoßen die Atemschutzträger auf einen Mann, der nach einem Nachbarn sucht. Sie bringen ihn schnell nach draußen. Den zweiten Vermissten finden die Feuerwehrleute wenig später im Hinterhof. Obwohl das Gebäude umgehend evakuiert ist, müssen sich drei Bewohner mit leichter Rauchvergiftung und Schock ins ebenfalls nahe Klinikum begeben. Um sicherzustellen, dass sich niemand mehr im Gebäude aufhält, durchsuchen die Einsatzkräfte alle Wohnungen. Vier Erwachsene und drei Kinder aus dem Haus betreut derweil das Rote Kreuz.

Ein Atemschutztrupp dringt mit einem Schaumrohr in die Wohnung ein. Nach etwa 20 Minuten ist der ausgedehnte Zimmerbrand gelöscht. Der Raum brannte völlig aus, griff aber nicht auf andere Zimmer über. "Der Sachschaden dürfte sich auf mindestens 60 000 Euro belaufen", schätzt der Einsatzleiter, Stadtbrandrat Richard Schieder. Die Kriminalpolizei korrigiert die Summe tags darauf auf mehr als 100 000 Euro. Extreme Rußbildung habe die darüber liegenden Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen, und im Erdgeschoss sei Wasserschaden entstanden.Bei dem zweistündigen Einsatz waren 22 Feuerwehrleute mit 5 Fahrzeugen vor Ort. Auch standen 7 Sanitäter und mehrere Rettungswagen bereit.

Möglicherweise hätte sich der Schaden in Grenzen halten können, wäre der brennende Teddy früher entdeckt worden. Wie die Polizei berichtet, versteckte sich der Vierjährige jedoch zunächst aus Schuldgefühlen vor seinem Vater. Dieser hielt sich ebenfalls in der Wohnung auf. Er sei "davon ausgegangen, dass sich der Kleine eine Kindersendung im Fernsehen ansieht".

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Video und mehr Bilder im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/feuer-wen
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