Kino im Pfarrheim

Dieses Gebäude in Rothenstadt erinnert an die frühere Selbstständigkeit: Damals - vor der Gebietsreform - war es das Rathaus, heute wird es als Bankfiliale genutzt. Bild: Dobmeier

Über die Hauptstraße tuckerte einmal jede Stunde ein Auto. Oft war es ein VW-Käfer oder eine BMW-Isetta. Sogar ein Pferdefuhrwerk rumpelte vorbei. Damals. Anno 1957 in Rothenstadt. Davon handelt der Film, der gerade tonlos über die Leinwand flimmert. Dafür ist das Raunen der Zuschauer deutlich zu hören.

Die CSU in Rothenstadt zeigte vor vielen Interessierten den Stummfilm, der ab und an mit Musik aus dem Jahr 1957 untermalt wurde. Auch einige laute Gefühlsäußerungen gab es, als "lokale Berühmtheiten" zu sehen waren. Zum Beispiel beim Festzug mit Fahnenabordnungen zum Jubiläum des Gesangsvereins.

CSU-Ortsvorsitzender Markus Bäumler begrüßte Kreisvorsitzenden Stephan Gollwitzer und eine Vielzahl von Parteimitgliedern. Auch verschiedene Vereinsvertreter kamen ins Pfarrheim St. Marien. Im Film verewigt waren Pfarrer Thoma, Kindergartenschwester Cellstine, Baron von Sazenhofen, Dr. Loew, der Großvater des heute praktizierenden Arztes, die alten Gasthöfe "Lehner" und "Schinderhannes", die Hauptstraße mit vielen Hanikelzäunen und Gebäuden sowie der Rothenstädter Bahnhof. Bei den "Eisenbahnerkühen" handelte es sich um Ziegen. Zu sehen waren die Schule, noch ohne Turnhalle, sowie der Kindergarten, in dem auch Schüler herumtollten und spielten. Einige erkannten ihre Kameraden wieder. Die Jungs trugen kurze Lederhosen und die Mädchen hübsche Kleider. Die Lehrer Franz Valtar und Fritz Sitzberger rückten ins Bild. An der Hauptstraße entlang waren der "Konsum" und weitere Geschäfte sowie die Anwohner in Fenstern zu erblicken. Eine Filmsequenz zeigte im Gemeindeamt Altbürgermeister Hans Sauer, Bürgermeister Toni Schröpf sowie Josef Herrmann, der damals ein temperamentvoller Kirchenvorstand und auch der "Leichenfahrer" war.

Wehr unterhält mit Übung

Der erste Sportplatz lag in Richtung Pirkmühle, die Baumallee kleidete den Hintergrund. Das Wehr in Sperlhammer bevölkerten viele Badegäste, die auch aus Weiden kamen. Ein Holzsteg führte beim "Stobel" über die Naab. Allerdings wurde der im Winter abgebaut. Mit Feuerwehrübungen wie dem "Brand der Höslbrauerei" oder wie die Abseilaktionen von Personen aus Fenstern unterhielten die Wehrmänner die Bevölkerung am Sonntagnachmittag. Auch die große Tradition des BRK in Rothenstadt Übungseinsätze zu absolvieren, gehörte zum Filminhalt.

Das Fazit unter den Zuschauern lautete: "Da war die Welt noch in Ordnung." Ländliche Idylle überall, nur selten geteerte Straßen. Leider aber blieb der Filmproduzent unbekannt. Vermutet wird allerdings, dass Rektor Baier den Film einst in Auftrag gegeben hatte. (Hintergrund)
Weitere Beiträge zu den Themen: Schröpf (1449)Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.