Kitas am Samstag öffnen

Sie wollen sich gemeinsam für ein neues Modellprojekt für Weidener Kindertagesstätten stark machen: Die Abgeordneten (sitzend, von links) Ulrich Grötsch, Annette Karl (beide SPD) und Albert Rupprecht (CSU). Wo der Schuh drückt, berichteten Jobcenter-Geschäftsführer Wolfgang Hohlmeier (sitzend, rechts) sowie die Bereichsleiter (stehend von links) Markus Schulz, Monika Reichel und Walter Wildenauer. Bild: Porsche

Statistisch betrachtet ist es um die Kinderbetreuung in Weiden ganz gut bestellt. "Aber wie soll eine Frau mit Kindern im Handel arbeiten?", fragt Monika Reichel. Dafür bräuchte es Betreuung zu Randzeiten. Was das heißt, zeigt die Fachfrau auch gleich auf.

Weiden. (ps) "Kräfte im Handel brauchen eine Kinderbetreuung am Samstag und werktags bis 21 Uhr", sagt die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt im Jobcenter Weiden-Neustadt/WN. Eine andere Forderung richtet sich an die Arbeitgeber: "Diese Frauen benötigen einen verlässlichen Einsatzplan, und zwar 14 Tage vorher, nicht ad hoc." Das gilt für alleinerziehende Frauen, die in der Region zum harten Kern der Langzeitarbeitslosen zählen. Aber auch für verheiratete Mütter, die in der Realität immer noch die Hauptlast der Kindererziehung tragen, wie Annette Karl feststellt.

Modellprojekt für Weiden

Wie die Politik da helfen kann? "Indem sie die Kindergärten verpflichtet, abends bis 21 Uhr und samstags zu öffnen", antwortet Monika Reichel wie aus der Pistole geschossen. Sie hofft außerdem auf die geplante Großtagespflege-Einrichtung, in der Tagesmütter bis zu acht Kinder betreuen. Ihr dritter Wunsch: Eine Ganztagesbetreuung in den Ferien - wie sie die Clausnitzerschule anbietet - abwechselnd an allen Schulen. "Dann käme jede Schule einmal in den Ferien dran."

Die Vorschläge stoßen auf offene Ohren - parteiübergreifend. Gemeinsam sind die SPD-Abgeordneten Ulrich Grötsch (Bundestag), Annette Karl (Landtag) und CSU-Abgeordneter Albert Rupprecht (Bundestag) am Donnerstag im Jobcenter angetreten, um sich über die Probleme zu informieren. Und gemeinsam wollen sie zu Lösungen beitragen.

Die Arbeitsmarktinitiative Weiden hat die Kinderbetreuung immer im Blick, sagt Jobcenter-Geschäftsführer Wolfgang Hohlmeier. Doch es hapert an der Umsetzung. Allseits begrüßt wird deshalb der Vorschlag von Albert Rupprecht, in Absprache mit Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und dem Jugendamt ein Sondermodell Weiden zu entwickeln. Wenn die Kosten feststünden, könnten die Politiker klären, inwieweit hier Förderung durch den Bund möglich ist.

"Wir waren beim Abbau der Langzeitbezieher relativ erfolgreich", belegt Walter Wildenauer (Teamleiter Markt und Integration) anhand aktueller Zahlen. "Langzeitbezieher" bedeutet: der Betroffene hat an 21 von 24 Monaten Leistungen bezogen. Im September 2014 waren das 2713 Personen. Der Rückgang sei durch Weiterbildung und andere Maßnahmen erzielt worden. Den "verkrusteten Kern", der auch durch Fördermaßnahmen nicht in Arbeit zu bringen sei, schätzt Wildenauer auf rund 2250 Personen. Die Krux, nach seinen Worten: "Bei uns sammeln sich Leute, die zwar erwerbsfähig sind, aber nicht unbedingt beschäftigungsfähig."

Sein Appell deshalb: "Wir müssen früher ansetzen, nicht erst bei 15 Jahren." Ein Aspekt, den auch die Arbeitsmarktinitiative Weiden immer wieder auf dem Tapet hat. Denn - so Wildenauer: "Fast jede 4. Geburt ist eine Hartz-IV-Geburt." "Das ist die nächste Generation", stellt Annette Karl fest. Aber so weit soll es nicht kommen. Oberstes Ziel des Jobcenters ist es deshalb, Jugendliche in Ausbildung zu bringen, sagt Wildenauer. Trotz aller Aktivitäten bleiben derzeit etwa 150 Jugendliche auf der Strecke. Nächster Versuch ist nun eine assistierte Ausbildung. "Wir starten demnächst mit 12 Plätzen."

Daran müsse sich ein Coaching anschließen. Das habe sich bei Langzeitarbeitslosen seit 2010 bewährt. Die werden durch ihre jeweiligen Betreuer Schritt für Schritt an geregelte Arbeit herangeführt. "Das geht so weit, dass die Vermittler die Leute früh wecken", erzählt Wildenauer. Dafür könne sich die Eingliederungsquote sehen lassen: "Jeder Dritte erhält einen Job." Er gesteht auch: "Manchmal leider nur für ein Jahr."
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