Kittel gegen Stallkluft getauscht

Vielen Weidenern ist sein Name noch wohlbekannt, im Klinikum Weiden hat man ihn nicht vergessen. Seit 2006 lebt Prof. Dr. Erik Guthy nach seinem Rückzug aus dem Berufsleben als Chirurg nicht mehr in Weiden, sondern in Flintsbach in Oberbayern.

Weiden/Flintsbach. (ske) Jetzt wird Guthy 75 Jahre alt. Wir haben aus diesem Anlass mit ihm gesprochen.

Wie geht es Ihnen?

Prof. Dr. Erik Guthy: Ich kann sehr zufrieden sein, abgesehen von kleineren Alters-Wehwehchen gibt es erfreulicherweise keine gesundheitlichen Probleme. Vor vier Jahren bin ich mal beim Aufschneiden eines großen Heuballens von der Leiter geflogen und auf den Tennenboden gestürzt. Das hatte schmerzhafte Rippenbrüche und eine Beckenprellung zur Folge.

Bei meinem Anruf habe ich Sie nicht gleich erreicht, jetzt riefen Sie zurück. Wobei habe ich Sie aufgeschreckt?

Guthy: Ich war gerade beim Stallausmisten, da habe ich das Telefon nicht gleich erwischt. Wir haben zwei Pferde, eines davon hatte ich noch aus Weiden mitgebracht, das andere ist ein Beistellpferd. Es ist immer eine große Freude, die beiden zu beobachten.

Reiten sie noch viel?

Guthy: Ich reite nicht mehr, die Gegend um unser Wohnhaus herum ist dafür nicht gut geeignet. Es ist ein enges Tal im Gebirge, eine vielbefahrene Bundesstraße führt hindurch, das ist mit einem Pferd ein Risiko. Am Haus habe ich keinen Reitplatz, ich müsste das Pferd jedes Mal verladen, sechs Kilometer zur nächsten Reitmöglichkeit fahren, das macht mir keinen Spaß mehr. Alles hat seine Zeit, ist irgendwann vorbei, so ist es auch mit dem Reiten.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit, spielt die Medizin noch eine Rolle in Ihrem Leben?

Guthy: Bis zum Frühjahr hatte ich noch den Vorsitz bei Facharztprüfungen, das habe ich aber inzwischen aufgegeben. Jetzt widme ich mich meinem Haus, das ich von meiner Großmutter geerbt habe. Es stammt aus dem Jahr 1850, sie hat es 1950 gekauft. Wir haben es renoviert, vieles modernisiert.

Das klingt recht romantisch.

Guthy: Es wurde von uns nicht etwa zu einem Bauernmuseum umgestaltet, aber wir haben viel Ursprüngliches erhalten, aber mit zeitgemäßem Anspruch verbunden. Ein "Plumpsklo" möchte heute niemand mehr. Wir haben eine Zentralheizung eingebaut und heizen zudem mit Holz. Ich befasse mich viel mit den Hinterlassenschaften meiner Großeltern und Eltern, viele Unterlagen liegen noch in Kartons, da arbeite ich mich Schritt für Schritt durch, "räume auf". Und ich bin viel in der Natur.

Wie muss man sich die Gegend und Ihr Leben dort vorstellen?

Guthy: Ich habe eineinhalb Hektar Streuobstwiese mit 20 Apfelbäumen. Immer wieder pflanze ich neu, wenn ein Baum zu alt geworden ist. Ich gehe auf die Jagd, habe einen jungen Hund, meine beiden Pferde. Und ich spiele täglich eine Stunde lang Laute und Gitarre. Immer mal wieder mache ich auch einen kleinen Auftritt.

Noch immer fahre ich gern Rad, an die 30 Kilometer am Inn entlang bis nach Österreich. Und ich engagiere mich ehrenamtlich als Vorsitzender im Diakonieverein. Unser christliches Sozialwerk betreut mit etwas mehr als 50 Mitarbeitern 150 Patienten.

Haben Sie noch Kontakt nach Weiden?

Guthy: Ich bin ab und an zu Feiern in Weiden, erst im vergangenen Jahr war ich zur Einweihung des neuen Bauabschnitts des Klinikums dort. Weidener Freunde besuchen mich immer mal wieder, gerade wenn sie auf der Durchreise Richtung Österreich oder Italien sind. Es war eine schöne und intensive Zeit in Weiden, aber irgendwann ist alles vorbei.

Den Rückzug aus meiner Tätigkeit als Arzt habe ich gut überstanden. Ich genieße es noch immer, keine beruflichen Anrufe in der Nacht mehr zu bekommen, mir keinen Wecker mehr stellen zu müssen.
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