Klangwelten und Klangwellen

Mit einem hörenswerten und klanggewaltigen Programm, gespielt von der Internationalen Donauphilharmonie Wien, eröffneten die Weidener Meisterkonzerte ihre neue Saison. Bild: Kunz

Sinfonisch und klanggewaltig startete am Sonntag die 54. Reihe der Meisterkonzerte mit Musik von Brahms, Kodály und von Einem. Die Musiker in der akustisch überzeugenden Max-Reger-Halle gehörten zum Philharmonischen Orchester Györ oder zur Internationalen Donauphilharmonie Wien.

Chefdirigent Alexei Kornienko übernahm diesmal den Klavierpart im Konzert Nr. 2 B-Dur op. 83, Victor Sawa das Dirigat aller drei Werke. Das hörenswerte Programm bekannte sich zur Musikkultur der Donau-Monarchie. So wurde das Brahms-Konzert in Pressburg vollendet und 1881 mit dem Komponisten am Klavier erfolgreich in Budapest uraufgeführt. Brahms hatte ein Scherzo als untypischen 4. Satz eingefügt und somit das Werk in die Nähe einer Symphonie gewuchtet. Es hat mit über 50 Minuten Spieldauer Reger'sche Dimensionen.

Harmonische Farbflächen

Die opulenten Klangmassen sind oft von Synkopen und Triolen durchwuchert. Sie flehen nach klarer rhythmischer Kante und überlegener Klangregie. Der Pianist bekommt schwerste Kost aufgetischt. Zwar fungiert er als Chef im Ring, die Orchestermitglieder führen aber erstaunlich oft das Wort zum Thema, dann grundiert er mit sprudelnden harmonischen Farbflächen. Alexei Kornienko bestand die sportliche Herausforderung achtbar, diesen anspruchsvollen Kraftakt mit schnellen Passagen, vollgriffigen Akkorden, Oktavgängen, Arpeggien und Sprüngen. Das gleichwertig-partnerschaftliche Musizieren, das Sich-Zuhören, klare differenzierte Artikulation, die hohe Kunst des subtilen Piano und Pianissimo, das Herausmodellieren von führenden und begleitenden Stimmen hat man aber schon viel überzeugender erlebt.

Der Cellist musste seine eher intim-verhaltenen Soli im 3. Satz zu sehr und zu oft Richtung Forte aufbürsten. Die harmonisch bedeutsamen Klavierbässe - Gegenpart zu den Melodien im Diskant - waren selbst mit Partiturhilfe kaum zu identifizieren.

Gottfried von Einems Oper "Dantons Tod" hat als Geburtsjahr 1947, als -ort Salzburg und seine Festspiele. Er "glaubte" auch nach Schönberg und Strawinsky in Treue fest an erweiterte Tonalität. Die Suite op. 6a erinnert eingangs mit ihren Tonrepetitionen an "Pazifik 231" des Kollegen Arthur Honegger von 1923. Im Sostenuto entfalten die gedämpften Streicher einen mystisch-ätherischen Klangkosmos. Der "Französische Geschwindmarsch" kommt ironisch-federnden Schrittes einher, voll schwungvoll-swingender Synkopen wallt und wogt das Allegro.

Aufblitzende Qualitäten

Kodálys Tänze aus Galánta von 1933 sind bestens in der Volksmusik geerdet, mit tänzerischer Energie geladen, hinter jedem Notenblatt scheint ein Czardas auf der Lauer zu liegen. Die Bläsersolisten ließen ihre Qualitäten aufblitzen, die rhythmischen Finessen, Übergänge und Tempowechsel gerieten Victor Sawa und seiner Crew hier mit Links.
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