Klasse für neue Talente

Mit Integration kennt sich die FOS/BOS um Leiterin Garbiele Dill (von rechts) eh gut aus: Hier gibt es schon länger Schüler mit Migrationshintergrund wie Alina Krysenko und Melat Sisay. Bild: Huber
Lokales
Weiden in der Oberpfalz
25.11.2015
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Die FOS/BOS bekommt Zuwachs: Ab dem Halbjahr startet eine Vorklasse für Asylbewerber und Migranten. Das Projekt mag neu sein. Positive Erfahrungen mit Integration hat die Schule aber schon seit Längerem.

Alina Krysenko ist so ein Beispiel. Vor sechs Jahren kam sie aus der Ukraine nach Deutschland. Oder Melat Sisay aus Äthiopien. Viereinhalb Jahre lebt sie inzwischen hier. Heute besuchen die zwei jungen Frauen die Weidener FOS/BOS und steuern auf die Hochschulreife zu. Musterbeispiele seien die beiden, wie die Schulleitung lobt. Und auch ein bisschen Vorbild für das, was an der FOS/BOS künftig noch öfter gelingen soll.

Nur drei Mal in Bayern

Ab dem Halbjahr soll am Hetzenrichter Weg eine Integrations-Vorklasse starten. Das hat das Kultusministerium entschieden, nachdem die Schule Interesse angemeldet hatte. Neben Weiden gibt es dieses neue Konzept in Bayern nur noch in Kempten und Würzburg. 15, maximal 20 junge Leute mit nichtdeutscher Muttersprache werden die Klasse besuchen. Flüchtlinge, Migranten, etwa im Alter von 17 bis 27 Jahren. Zur Zielgruppe gehören begabte junge Leute, die bereits Grundlegendes der deutschen Sprache gelernt und einen mittleren Schulabschluss oder vergleichbare Vorkenntnisse haben. Auch Berufsausbildung kann ein Kriterium sein.

"Wir wollen Brücken bauen", erklärt Schulleiterin Gabriele Dill. Und zwar hin zu den regulären Klassen von Fach- oder Berufsoberschule, welche die Integrations-Schüler danach besuchen sollen. Zur Vorbereitung pauken sie natürlich vor allem Deutsch. Aber auch Englisch, Mathe oder ein Profilfach stehen auf der Stundentafel. Und "Interkulturelle Werteerziehung". Dabei gehe es um Alltagskultur in Weiden, um Grundwerte der Verfassung, deutsche Geschichte oder soziale Rollen hierzulande, wie stellvertretender Schulleiter Jürgen Gleixner sagt. Das alles braucht natürlich Zeit. Die Pilotklasse ist auf eineinhalb Jahre angelegt, wobei besonders talentierte Schüler gegebenenfalls auch früher in den regulären Betrieb wechseln könnten. Später sollen die Vorklassen ein Jahr laufen. Man kann in dem neuen Angebot eine Weiterführung bestehender sehen. In der Europa-Berufsschule etwa gibt es schon länger Integrationsklassen. Die FOS/BOS würde Neuankömmlingen nun einen Weg zum Studium oder zu einer qualifizierten Berufsausbildung bahnen.

"Kollegium begeistert"

Tatsächlich kommen die neuen Schüler aus den Berufsschulen oder aus den Integrationskursen, die in Weiden etwa die Volkshochschule oder Kolping anbieten. Der Einzugsbereich reicht von Marktredwitz bis Schwandorf, vom Kreis Neustadt bis in den Amberg-Sulzbacher Raum. Für die Schule bedeutet das Ganze viel Vorbereitung und Neues. Man werde flexibel sein müssen, gerade in der Anfangsphase, sagt Dill. Trotzdem: "Das Kollegium ist begeistert." Viele der Lehrer wollen sich mit einbringen, ergänzt Gleixner. Wobei auch die regulären FOS/BOS-Schüler mit eingebunden werden. So ist angedacht, dass die Sozialwesen-Praktikanten der Schule bei Hausaufgaben oder als Tutoren mithelfen.

Ohnehin, Sorgen vor Reibereien zwischen den deutschen Schülern und den Neuankömmlingen mache sich keiner. "Hier wird jeder so akzeptiert, wie er ist", bestätigt Sisay. Und genau das ist nach ihrer und Krysenkos Erfahrung auch eine der Voraussetzungen für schulische Integration. Eine andere sei die Unterstützung der Lehrer - und natürlich die Motivation der Schüler selbst. Was dann alles gelingen kann, auch an der FOS/BOS - dafür sind die beiden ja selbst die besten Beispiele.
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