Klaus Karl-Kraus warnt vor Gefahren der Informationstechnologie - "iPhone" und Co regieren die ...
Und auch Facebook schürt den Neid

Klaus Karl-Kraus versteht zu unterhalten. Und gleichzeitig macht der ehemalige Manager deutlich, welchen Gefahren die Menschen, die eigentlich noch nach den alten Denkmustern "ticken", durch die moderne Kommunikationstechnik ausgesetzt sind. Bild: sbü
(sbü) "Setzen Sie nicht alles ein, was Computer, ,iPhone' oder Tablet bieten." Das empfahl der Kommunikationsexperte Klaus Karl-Kraus beim Wirtschaftsclub-Abend in der Max-Reger-Halle. Sein Vortrag hieß "Chancen der Veränderung - von der Schreibmaschine zum Faceputer". Vor allem den richtigen Umgang mit den neuen Techniken wollte Karl-Kraus seinen Zuhörern nahebringen. Warnungen vor Gefahren verstand er als "Motivationsmittel".

"Wir können die neuen Medien ohnehin nicht mehr abschaffen, sie dürfen uns aber nicht beherrschen", sagte Karl-Kraus in seinem unterhaltsamen, mit kabarettistischen Pointen gewürzten Vortrag.

In der virtuellen Welt

Das menschliche Gehirn habe sich in den 400 000 Jahren der Menschheitsentwicklung nicht sehr viel verändert; die Technik aber habe in den vergangenen Jahrzehnten Quantensprünge gemacht. Mit einer ironischen Bemerkung - "einem Affen gibt man keinen Audi oder BMW" - kritisierte er so manchen Fahrer beim Umgang mit der Automobiltechnik. Am Beispiel der Entwicklung des Fernsehens zeigte er die Gefahren von Kommunikationstechnik. Heute besitze ein vierköpfiger Haushalt im Schnitt 3,2 Fernseher, die Fernbedienung führe bei 885 Satellitenprogrammen zu unkontrolliertem Verhalten. Lautes Zuhörerlachen begleitete den Satz: "Ein deutscher Beischlaf passt in die Werbepause." Und: "Beim Fernsehen sind wir schon zweiter Sieger."
Als Kommunikationswissenschaftler ist für Karl-Kraus der Einfluss der Technik auf menschliches Verhalten wichtig. So gebe es in Facebook derzeit 100 Milliarden Fotos. Und es sei nachgewiesen, dass dadurch der Neid als menschliche Eigenschaft zunehme. "Digitale Demenz" sei eine große Gefahr, zum Beispiel wenn Autofahrer durch das Navi die Fähigkeit verlieren, Straßenkarten zu lesen.

"Die Menschen gehen in eine virtuelle Welt und verlassen das reale Hier und Jetzt", sagte Karl-Kraus. Weil er aber die Chancen und den Nutzen dieser Medien in den Vordergrund stellen will, formulierte er dazu Empfehlungen. "Lassen Sie die sozialen Kontakte nicht untergehen", wandte er sich vor allem an Controller in den Unternehmen. Die gewonnene Zeitersparnis solle nicht für noch mehr Produkte genutzt werden, denn: "Zeit ist nicht Geld, Zeit ist Leben."

Ganz wichtig ist für Karl-Kraus die Trennung zwischen Frei- und Bürozeit. Der Mensch könne gleichzeitig nur eine Sache richtig machen. "Man darf nicht im Multitasking untergehen". Von sich selbst berichtet der ehemalige Manager, "ein Geschäftsessen war mit mir nicht möglich, Essen ist Essen". In einem "Mail-Knigge" empfahl er kurze Texte und wenig "CCs".
Eine Prognose wollte Karl-Kraus nicht abgeben. Den "Faceputer" als nächste Anwendungsform werde niemand verhindern können. Zu verführerisch sei es, in der Brille den Maileingang oder Messdaten abzulesen. Die Probleme könnten sich aber potenzieren, wenn man an Cyber-Mobbing und Cyber-Kriminalität denke. "Ich glaube, wir kommen mit der Technik zurzeit nicht klar", ist seine pessimistische Feststellung. Unternehmern riet Karl-Kraus, alle Kanäle zu bedienen: Homepage, Facebook und Twitter. Und Kinder sollten zuerst soziale Kontakte lernen - und erst dann die Technik.
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