Kleine Betriebe, große Probleme

Politik und Handwerkskammer wollen künftig enger zusammenarbeiten, versichern (von rechts) MdB Albert Rupprecht und die neue Führungsspitze der Kreishandwerkerschaft mit Kreishandwerksmeister Joachim Behrend und seinem Stellvertreter Josef Schlosser. Bild: sbü

Die neu gewählte Führungsspitze der Kreishandwerkerschaft geht in die Offensive. Ganz besonders setzt sie sich für die Interessen der kleinen Handwerksbetriebe ein. Sie fordert die Politik auf, bürokratische Regelungen zu überdenken. Dabei geht es längst nicht mehr nur um das Mindestlohngesetz.

(sbü) Die Probleme der kleinen Handwerksbetriebe zeigen alle in eine Richtung: Statt sich auf das eigene Handwerk konzentrieren zu können, müssen immer mehr gesetzliche Auflagen, Dokumentationspflichten und Nachweise für Kontrollen erfüllt werden. "Große Betriebe haben dafür ihre Spezialisten, der kleine Handwerker muss alles selbst erledigen", erklärt der neue Kreishandwerksmeister Joachim Behrend.

Zusammen mit seinem Stellvertreter Josef Schlosser hatte er den CSU-Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht eingeladen, um dem Politiker die Sorgen des Handwerks vorzutragen. Zunächst ging es um das Thema Mindestlohn. "Wir kritisieren nicht die 8,50 Euro, denn wir zahlen fast immer deutlich mehr. Wir bemängeln die Dokumentationspflichten." Diese würden zu den Arbeitsabläufen in vielen Kleinbetrieben nicht passen, sagen die Handwerksvertreter. "Wir haben keine Zeiterfassung und oftmals auch nicht die starren Arbeitszeiten." Nicht alles sei standardisierbar. Besonders schwer falle die Dokumentation bei mithelfenden Familienangehörigen.

Vorab mehr Austausch

Mit großer Sorge sieht Behrend auch, "wenn der Zoll in martialischer Aufmachung mit Schutzwesten und Waffen zur Kontrolle kommt, während wir gerade Kunden bedienen". Das könne rufschädigend sein.

Sorgen bereiten dem Handwerk auch die zahlreichen EU-Vorschriften für Produktionsabläufe, Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln und deren Dokumentationen. So gebe es etwa eine Salzgehaltvorgabe, die Allergene-Kennzeichnung und übertriebene Hygienevorschriften. Die Folge: "Wir verlieren immer mehr Arbeitspotenzial für die handwerkliche Arbeit." Mehr Kommunikation, bevor solche Regelungen erlassen werden, war dann eine der Forderungen der Handwerksvertreter an MdB Rupprecht und die Politik insgesamt.

Diesem Wunsch schloss sich auch die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Christa Neubauer-Kreutzer an.

Rupprecht bot an, "Vororttermine zu vereinbaren, um konkrete Beispiele für konkrete Ansätze entwickeln zu können". Gerne wolle er auch den Vorschlag für runde Tische mit allen Beteiligten, zum Beispiel mit dem Zoll, unterstützen. Thema war auch das neue Erbschaftsrecht. Rupprecht erwartet, dass in der Region nur sehr wenige Großbetriebe davon betroffen sind.
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