Kleinigkeiten steuern Kopfkino

Es kommt nicht allzu oft vor, dass eine Autorenlesung derart fesselnd vorgetragen wird. Hier ist's brillantes Kopfkino. Eine Geschichte, die sich einbrennt. Sabine Thiesler schenkt ihren Zuhörern deshalb auch einige Augenblicke, ehe sie Fragen beantwortet. Damit sie sich wieder fangen können, wieder in die Wirklichkeit zurückfinden.

Ein unheilvolles Spiel, irgendwo zwischen Sardinien und Tunesien. Eine bedrohliche Atmosphäre. Ja, schnappt er jetzt zu, der Hai? Oder kommen die beiden splitternackten Abiturientinnen noch einmal mit heiler Haut davon? Ist schon hundsgemein, eine Lesung an der spannendsten Stelle einfach abzubrechen, das Buch zuzuschlagen.

Sabine Thiesler ist Expertin, wenn es darum geht, einen Spannungsbogen aufzubauen. Schließlich hat sie Drehbücher für den "Tatort" und den "Polizeiruf 110" geschrieben. Auch Wolfgang Rademann schätzt die Berlinerin und verpflichtet sie nach wie vor als Ideengeberin für seine "Traumschiff"-Episoden.

Um nochmal auf die beiden Schwimmerinnen zurückzukommen. Ganz so heil ist deren Haut gar nicht. Wenigstens eine der beiden Freundinnen, die in der Nacht über Bord gegangen sind, hat eine Schusswunde im Bein. Eine Blutspur, die Haie magisch anzieht. Und schuld daran ist ein mordender Psychopath, der sich eine neue Identität erschleicht.

"Versunken"

Die Erfolgsautorin liest in der Jubiläums-Buchhandlung "Stangl & Taubald" aus ihrem jüngsten Thriller "Versunken". Anderthalb Jahre hat sie an diesem Roman geschrieben. "Ja Hallo", sagt sie mit sanfter Stimme. "Ich weiß, es ist immer so. Man muss erst eine Weile zu sich kommen." Sabine Thiesler ist neben ihrer Schreibkunst auch Profi-Sprecherin. Sie synchronisiert Weltstars, bespricht Hörspiele - unter anderem Bibi Blocksberg - und sie ist gelernte Germanistin und Schauspielerin.

Reale Kriminalfälle in Romane zu passen, mache sie nicht. "Um Himmels willen, nein!" Zum einen würde sie Persönlichkeitsrechte verletzen. Zum anderen könnte ja jemand auf die Idee kommen, die gleiche Geschichte erzählen zu wollen. Nein, ihre Storys entstünden in ihrer Fantasie. "Es sind Dinge, die mir begegnen. Es sind Sachen, die mich interessieren. Es sind Kleinigkeiten. Es sind Winzigkeiten."

Bei "Versunken" habe sie die Abgeschlossenheit einer Yacht inspiriert. Mit einem Verrückten an Bord. "Allein das ist schon furchtbar. Aber darum herum nur das Meer. Das ist ja auch furchtbar. Das ist doppelt schlimm." Aus eigener Erfahrung könne sie sagen, dass das Meer durchaus imstande sei, den Menschen Angst einzuflößen. "Wenn ich eine kleine Idee habe, dann schreibe ich los. Und während des Schreibens lerne ich die Figur kennen."

Selbst überrascht

Wie dann der Charakter immer vielschichtiger, der Typ immer komplexer werde, das finde sie selber interessant. "Ich weiß zu Beginn nie, wie es aufhört. Ich lasse mich einfach treiben und mich überraschen. Und deshalb schreibe ich auch so gerne." In ihrem "Stübchen", wo sie sich immer denke: "Mal sehen, was heute passiert."
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