Klinik-Personal selbst krank

Die Verdi-Mitglieder stimmten über die Besetzung der Verhandlungskommission ab. Die Gespräche mit den Arbeitgebern sollen im nächsten Jahr beginnen. Bild: hfz

Die Gewerkschaft Verdi bereitet sich auf Haustarifverhandlungen für die Kliniken Nordoberpfalz vor. Die Mitglieder der Tarifkommission sind gewählt. Verdi fordert aber auch von der Bundespolitik eine gesetzliche Personalbemessung, um die Belastungen des Personals zu senken.

Die Gewerkschaft Verdi lud ihre Mitglieder der Kliniken Nordoberpfalz AG zur Wahl ihrer Tarifkommission. Nachdem bereits ein erstes Sondierungsgespräch mit den Arbeitgebern stattgefunden hat, werden Anfang 2015 die Tarifverhandlungen aufgenommen. Zudem befasste sich die Mitglieder mit der gesetzlichen Krankenhausreform, deren Eckpunkte von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe des Bundes und der Länder noch im Dezember beschlossen werden sollen.

Bedarf entscheidet

Verdi fordert hierbei eine gesetzliche Personalbemessung. Es dürfe nicht sein, so Gewerkschaftssekretär Robert Hinke, dass sich die Personalpolitik der Kliniken nicht am Bedarf, sondern der ökonomisch meist schwierigen Situation der Branche ausrichte. Hinke, im Oktober von Weiden in den Verdi-Landesfachbereich nach München gewechselt, wird mit Landesfachbereichsleiter Dominik Schirmer die Verhandlungen führen. Ergänzt wird die Kommission von sechs Ehrenamtlichen: Ingeborg Siegler, Völkl Werner, Manuela Dietz, Monika Selch, Roland Gleißner und Gunar Prauschke.

Ärzte gefordert

Vor den Verhandlungen sollen neutrale Experten die wirtschaftliche Situation der Kliniken Nordoberpfalz AG begutachten. Bei den Verhandlungen über den nächsten Zukunftssicherungstarifvertrag (Zusi) sollen alle Berufsgruppen beteiligt werden - "auch die Ärzte". Der Korridor für Entlohnungsabsenkungen müsse erneut reduziert werden. Man erwarte, dass sich die Gebietskörperschaften als Eigentümer der Kliniken Nordoberpfalz AG weiterhin "einbringen". "Gerade mit Blick auf die Eigenkapitaldecke und Liquiditätssituation ist die Politik in der Pflicht", so Hinke.

Neben den Tarifverhandlungen ging es den Gewerkschaftern um die Kampagne "Der Druck muss raus". Zur besseren Krankenhausfinanzierung wird eine gesetzliche Personalbemessung gefordert. "Trotz hohem Engagement der Beschäftigten", so Ingeborg Siegler, "ist in den Kliniken die Arbeit kaum mehr zu bewältigen. Unserem eigenen Anspruch an gute Behandlung und Versorgung können wir immer weniger gerecht werden". Robert Hinke betonte, dass eine für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zentrale Branche selbst an Personalmangel und Überlastung kranke. Längst sei die Grenze des Zumutbaren überschritten. "Im Ergebnis arbeitet sich das Personal auf, während die Qualität der Patientenversorgung zunehmend leidet."

Die vielen Skandale in der Krankenhausbranche seien "die Spitze des Eisberges". "Wir appellieren angesichts des Personalmangels an die Union, ihre ablehnende Haltung gegenüber einer gesetzlichen Regelung zur Personalbemessung aufzugeben." Längst hätten sich die Oppositionsparteien, die SPD, wissenschaftliche Experten und maßgebliche Verbände im Gesundheitswesen der Forderung von Verdi angeschlossen.
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