Klinikum Weiden: Radiologisch interventionelle Behandlung gegen Tumorerkrankungen
Mit Nadelstich tumorfrei

Radiologen machen Bilder. Doch nicht nur. "Viele, die Bilder machen, können auch behandeln", sagt Prof. Dr. Christian Paetzel, Chefarzt der Radiologie am Klinikum (rechts). Tumore zum Beispiel mit Hilfe einer interventionellen Therapie. Das ist das Spezialgebiet von Oberarzt Stephan Lenhart (links). Was er mit einer Nadel (siehe Bildmitte) gegen Tumore unternimmt, ist ähnlich wirksam wie deren operative Entfernung - nur ist es schonender. Bild: htl

Das Aus für den Tumor können auch Nadel und Wechselstrom bringen. Diese Methode der radiologisch interventionellen Behandlung ist schonender als eine Operation und immer gefragter. Deshalb gibt es nun eine Extra-Abteilung dafür am Klinikum.

Ein Tumor macht sich in Leber, Lunge oder Niere breit. Doch nicht immer braucht es gleich eine Operation, eine Bestrahlung oder eine medikamentöse Behandlung. Es gibt neue Behandlungsmöglichkeiten, sagt Prof. Dr. Christian Paetzel, Chefarzt der Radiologie am Klinikum, im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie sind schonender als eine Operation, immer gefragter und hochkomplex. Deshalb wurde nun am Institut für Röntgendiagnostik eine eigene Sektion für interventionelle Tumortherapie gegründet. Oberarzt Stephan Lenhart leitet sie.

Der Tumor verkocht

Seine Arbeit findet der gebürtige Mainzer spannend: "Es braucht eine enorme Präzision, um mit Nadel oder Katheter am schonendsten für den Patienten an die richtige Stelle zu gelangen." Klappt's, klingt alles ganz einfach: Der Arzt der Radiologie greift zur Nadel, zielt ganz präzise auf den Tumor - zum Beispiel an der Leber - und sticht durch die Haut zu. Am Ende wächst aus der Nadel ein Schirmchen, darin fließt Wechselstrom. In der Folge verkocht der Tumor.

Radiofrequenzablation nennt der Fachmann diese minimalinvasive Behandlungsmethode. Transarterielle Chemoembolisation heißt eine andere. Hierbei erfolgt über einen dünnen Katheter in der Schlagader - meistens in der Leiste - unter Röntgenkontrolle das gezielte Einbringen von Chemotherapeutika am Tumorherd. Im Anschluss wird der Tumor von der Blutversorgung abgeschnitten. Er stirbt ab.

Zwei Verfahren, die eines gemeinsam haben: Beide finden unter Vollnarkose statt. Trotzdem kann der Patient nach zwei bis drei Tagen die Klinik verlassen. Der Heilungsprozess nach einer Operation ist in der Regel langwieriger. Trotzdem kann die interventionelle Tumortherapie, die am Klinikum übrigens bereits seit 2005 praktiziert wird und 2014 insgesamt 100 Mal zum Einsatz kam, die operative nicht ablösen, sondern sie nur ergänzen. "Jeder Fall ist individuell gelagert", sagt Chefarzt Prof. Paetzel. "Die Kunst ist, die beste Behandlungsmethode für den jeweiligen Patienten zu finden." Das kann der operative Eingriff sein, die Strahlentherapie oder eben die Nadel-/Katheter-Methode. "Manchmal braucht es auch eine Kombination", weiß Prof. Paetzel und betont die gute Zusammenarbeit zwischen Chirurgen, Internisten und Strahlenmedizinern im Klinikum.

Auf die Suche nach der optimalen Behandlungsmethode für Tumorpatienten gehen die Ärzte aller Disziplinen übrigens einmal wöchentlich bei der sogenannten Tumorkonferenz.
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