Knisternde Spannung

"Wenn die Bürgerliste ruft, kommen sie alle", freute sich Stadtrat Reinhard Meier (Mitte, mit Stirnband) bei der Begrüßung der mehr als 50 Bürger (darunter Vertreter aller Fraktionen), die sich in Wiesendorf vor Ort über den Verlauf der Stromtrasse informierten. Bild: Wieder

Auf jeder Terrasse in Wiesendorf ist sie zu hören, diese knisternde Spannung. Sie macht Angst, denn sie kommt von der Überlandleitung, die ganz nah an den Häusern vorbeiführt. Die Bürger fordern nicht 60, sondern 400 Meter Abstand zum Dorf, wenn in den nächsten Jahren der "Ostbayernring" neu gebaut wird.

Die Bürgerliste nahm sich der Sorgen der Wiesendorfer an. Sie lud zur Ortsbesichtigung. Nahezu jeder Haushalt des Ortes war vertreten. Und auch die Parteiengrenzen waren aufgehoben: SPD, CSU und Grüne zeigten, wie ernst auch sie die Sorgen der Wiesendorfer nehmen. Und für die Nachbarn machen Maria Gabler, Erika Brandl, Ludwig König und Günther Sparrer deutlich, dass sie nicht gewillt sind, sich nochmals von einem "Stromriesen" überfahren zu lassen: Vor über 40 Jahren wurde ihren Familien die gewaltige Überlandleitung vor die Nase und vor die Küchenfenster gesetzt.

Keine konkreten Infos

Ihnen ist aber auch bewusst, dass sie vor einer schweren Aufgabe stehen, denn die Firma Tennet, die den Neubau des Ostbayernrings anvisiert, ist nicht bereit, sich in die Karten schauen zu lassen. So gab es zwar in Pfreimd ein Info-Gespräch, aber kaum "harte Fakten".

Laut Tennet ist ein Neubau in der gleichen Trasse nicht möglich. Es sei ein Abstand von 60 Metern zur bestehenden Trasse geplant. Dieser Abstand zur Wohnbebauung sei viel zu gering, denn es erfolge zugleich eine Netzverstärkung von einer bestehenden 220-kV und einer 380-kV-Leitung auf zwei 380-kV-Leitungen, betonten die Wiesendorfer. In ihrem Brief an die Fraktionen im Weidener Stadtrat machte Maria Gabler auf die Probleme aufmerksam. Die großen Fraktionen sagten ihr die Unterstützung zu.

Ärger über "Nicht-Reaktion"

Ungehalten regiert Günther Sparrer über die "Nicht-Reaktion" von Tennet auf Briefe, in denen die Wiesendorfer um Informationen baten. "Da kommt nicht mal ein Bestätigungsschreiben", ärgert sich Sparrer. "Es gibt keine Informationen, keine technischen Details. Keiner ist zuständig. Keiner erklärt uns die gesetzliche Lage. Und das macht auch Angst." Geradezu zynisch seien dazu die Ankündigungen beim "Info-Gespräch" in Pfreimd, dass Tennet die Projekte "im engen Bürger-Dialog" angehe. "Was da läuft, ist einfach schrecklich."

"Wir können nichts versprechen", macht Alois Schinabeck (SPD) deutlich. Reinhard Meier, Dr. Christian Deglmann, Philipp Beyer und Stefan Rank (alle Bürgerliste) sowie Karl Bärnklau (Grüne) wollen bei der Suche nach Alternativlösungen helfen. Der Wunsch, die Überlandleitungen vom Ort deutlich abzurücken, sei nachvollziehbar. Allerdings werde Wiesendorf von streng geschützten FFH-Gebieten "umzingelt". "Nur der Staatswald ist da ausgeklammert", meint dazu Erika Brandl.

Nach Recherchen von Erika Brandl sind in Holland (Stammland von Tennet) 400 Meter Abstände von Hochspannungsleitungen zur Wohnbebauung vorgesehen. Auch in Hessen gebe es diese Empfehlung. "Warum also nicht auch bei uns?" Dr. Christian Deglmann erläutert, dass es keine Gesetze, sondern nur Empfehlungen für die Abstände gebe. Ebenso wie Stefan Rank versichert er, dass der Stadtrat für die Probleme der Wiesendorfer sensibilisiert sei.
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