Kommando: "Aktiver Ruhestand"

Ruhestand? Bernd J. Henn hat nach wie vor einen gut gefüllten Terminkalender. Bild: ske

Seit September 2013 ist Oberstleutnant Bernd J. Henn "außer Dienst". Der gebürtige Unterfranke blieb mit seiner Frau jedoch der Oberpfalz treu und wohnt nach wie vor in Oberwildenau.

Seit 2004 kennt man Oberstleutnant a. D. Bernd J. Henn in Weiden und Umgebung. Damals wurde er als Kommandeur in die Unteroffizierschule des Heeres Lehrgruppe C nach Weiden versetzt. Zuvor hatte er sieben Jahre lang in Dresden und Köln gearbeitet.

Sie sprechen vom "geplanten Unruhestand" - wie ist das gemeint?

Bernd J. Henn: In meiner aktiven Dienstzeit war ich fast durchgehend terminlich nicht nur immer vollständig ausgelastet, sondern auch fremdbestimmt. Jetzt im Ruhestand darf ich selbst planen und mache sicherlich insgesamt sehr viel, was mich dann vom "geplanten Unruhestand" sprechen lässt. Aber das hält mich geistig und körperlich fit.

Fiel Ihnen der Abschied vom Berufsleben schwer?

Henn: Der Abschied machte mir sicherlich keine Freude, aber ich empfand auch keine Wehmut oder Trauer. Ich hatte das Glück, die Zukunft des Standortes Weiden mitgestalten zu dürfen, ihn in eine positive Zukunft zu führen. Bei meinem Abschied wusste ich, der Standort bleibt. Jetzt kann ich zufrieden zurückblicken.

Wie ging es nach Ihrem Abschied weiter?

Henn: Im August 2013 las ich im "Neuen Tag" einen Artikel, dass der Tourismusverband Oberpfälzer Wald eine Ausbildung zum Gästeführer anbietet. Das interessierte mich. Ich meldete mich an, machte dann ab Oktober eine neunmonatige Ausbildung. Wir Teilnehmer absolvierten ein Seminarprogramm in Weiden, Neustadt. Tirschenreuth und Schwandorf. Wir büffelten Theorie bei der Volkshochschule, zudem gab es zahlreiche Exkursionen durch die Oberpfalz. Im Juni 2014 war dann die Prüfung: Jetzt darf ich mich "zertifizierter Gästeführer" nennen.

Wie kamen Sie auf die Idee, auf den Zeitungsbericht zu reagieren?

Henn: Ich interessiere mich schon immer sehr für Land und Leute, Geschichte, Zeitgeschehen und Politik. Die Tätigkeit als Gästeführer verbindet ein Stück weit diese Interessen und bringt mir Kontakt zu den Menschen. Es war eine tolle und interessante Ausbildung, die ich immer wieder machen würde. Jetzt bin ich als selbstständiger Gästeführer im Einsatz, organisiere und leite Gästeführungen in der Region, teilweise auch über die Oberpfalz hinaus mit dem Bus, mit dem Rad oder auch zu Fuß und lerne dabei selbst noch viel Neues über Land und Leute.

Sie haben darüber hinaus aber noch ein zweites sehr interessantes Betätigungsfeld.

Henn: Eine Inspektion meiner Lehrgruppe hatte eine Patenschaft zur Gemeinde Flossenbürg, insbesondere auch aufgrund der Einbindung der KZ-Gedenkstätte. Wir durften regelmäßig mit unseren Lehrgangsteilnehmern bei den Jahrestreffen der KZ-Überlebenden helfen und konnten mit allen Feldwebelanwärtern dort einen Teil unseres Staatsbürgerlichen Unterrichts durchführen. Irgendwann sprach mich der Gedenkstättenleiter Dr. Jörg Skribeleit, den ich sehr schätze, an und sagte, dass er Mitarbeiter für Rundgänge und Seminare suche. Jetzt mache ich regelmäßig Rundgänge mit Schulklassen und unterstütze auch bei Tagesseminaren, zum Beispiel für Polizeischüler, für Soldaten oder für Auszubildende in medizinischen Pflegeberufen und bei Konfirmanden-Freizeiten.

Das scheint sehr zeitaufwändig zu sein.

Henn: Ich führe fast wöchentlich Rundgänge durch und immer wieder auch Tagesseminare. Mir macht das sehr viel Freude. Ich habe so Kontakte zu jungen Menschen, bespreche mit ihnen die Thematik, lasse aber auch Zeit zur Reflexion.

Zudem sind Sie bei der Volkshochschule engagiert.

Henn: Ich plane und leite Exkursionen, habe bereits sechs Fahrten angeboten. Leider kam bislang wegen der geringen Teilnehmerzahl erst eine Fahrt nach Ingolstadt zustande.

Kommt Ihre Frau bei so viel "geplantem Unruhestand" nicht zu kurz?

Henn: Wenn ich ganz ehrlich bin, dann glaube ich, bisweilen ja. Obwohl wir natürlich versuchen, unsere Termine so abzustimmen, dass uns auch noch Zeit für uns bleibt, auch für Unternehmungen mit unseren Freunden. Unsere Kinder sind erwachsen, leben in Berlin und Dresden. Meine Frau hat immer viel zu meiner Bodenhaftung beigetragen, tut es immer noch. Ohne sie kann ich nicht und wäre ich nicht der Bernd J. Henn, der ich bin.
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