Kommunale Kannibalen

Damit Weiden nicht auf den Hund kommt: Richard Mergner, Sonja Reichold, Jürgen Holl und Sonja Schuhmacher (von links) vom Bund Naturschutz fordern den Erhalt des Waldes. Bild: Kunz

Der Bund Naturschutz sieht das geplante neue Gewerbegebiet nicht nur als "Anschlag auf die Natur und damit die Lebensqualität der Stadtbevölkerung". Zudem würde es einen "absolut negativen Präzedenzfall für ganz Bayern" schaffen.

Vor den Folgen von Weiden-West IV warnte der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz. Es dürfe nicht Schule machen, "dass selbst nicht mehr Wald ein natürlicher Schutz vor Gewerbegebieten ist", erklärte Richard Mergner bei einer Infoveranstaltung der Projektgegner am Dienstagabend in der Waldgaststätte Strehl. Kein Usus dürften auch Tausch-Deals werden, "die begründen, dass an anderer Stelle Wald abgeholzt werden darf - und das noch dazu im Staatswald". Dieses Vorgehen sei "skandalös".

Eingeladen hatte Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende Sonja Reichold. Mergner dankte ausdrücklich der Weidener Ortsgruppenvorsitzenden Sonja Schuhmacher. Ohne sie hätte es nie ein Ratsbegehren gegeben, meinte er. Leider sei es falsch formuliert und verleite dazu, die Gegner ins falsche Licht zu rücken: "Es stellt all diejenigen, die gegen das Gewerbegebiet sind, als Leute dar, die Arbeitsplätze verhindern wollen." Dies sei nicht so. Hier werde über ein Gebiet abgestimmt, das der Stadt gar nicht gehöre. "Das ist ein Bürgerwald, der gehört Ihnen, und auch mir."

Im Koalitionsvertrag sei ausdrücklich verankert, dass die Bundesregierung Flächenrodungen und Überbauungen durch drastische Reduzierungsmaßnahmen Einhalt gebieten wolle. "Der Bundestagsabgeordnete, der jetzt so vehement für West IV ist, hat damals auch die Hand gehoben." Das Verhalten sei demnach völlig absurd.

Schlechte Planung

"Wir hoffen, dass die Bürgerinnen und Bürger dem Entscheid am 9. November eine klare Abfuhr erteilen", sagte Mergner. "Denn es geht nicht um ein vermeintliches Ja zu Arbeitsplätzen, sondern es wäre ein Ja zu einer schlechten Planung, zu einem kommunalen Kannibalismus. Und das kann man nicht unterstützen." Generell sei dieser Wald erhaltenswert, weil er Schutz biete für Luft, Wasser und die Menschen, die sich dort erholten. Hier nisteten über 50 Brutvogelarten. "Wald ist per se schützenswert, und es ist völlig klar, dass er nicht gerodet werden darf."

Die Stadt habe ja Alternativen. Es gebe ausgewiesene Gewerbegebiete. "Allein im Landkreis über 250 Hektar." Mergner: "Wir fordern endlich die Solidarität der SPD, gerade von einer SPD-Stadtratsmehrheit mit SPD-Oberbürgermeister, mit den anderen Gemeinden." Dass nämlich endlich die vorhandenen Gewerbeflächen genutzt würden, ehe immer wieder neue ausgewiesen würden.

"Knappes Gut Fläche"

Natürlich könne man Gewerbegebiete ökologisch anders ausrichten, als dies in der Vergangenheit in Weiden geschehen sei. "Wenn man Photovoltaikanlagen ansieht, die auf der Fläche aufgestellt sind und nicht auf den Dächern, wo sie eigentlich hingehören." Allein daran erkenne man, wie schlecht und schludrig man "mit unserem knappen Gut Fläche" umgegangen sei. Aber jetzt zu behaupten, der Wald müsse abgeholzt werden, um daraus ein ökologisches Gewerbegebiet zu machen, sei "an Infamie nicht mehr zu überbieten".

Auch die Tierwelt leide. "Wir wissen, dass wir durch unsere Art des Wirtschaftens - auch in der Landwirtschaft - viele Vogel- und Tierarten an den Rand ihrer Existenz gebracht haben."
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