Kommunikationsprofi verrät, wie ein gutes Gespräch gelingt - Nicht nur jammern
Der erste Satz sagt meist nichts

Durch die Blume muss keiner sprechen, um gut verstanden zu werden. Im Gegenteil, meint Bildungsreferent Bernhard Suttner. Klartext zu sprechen, ist wichtig. Dieser Klartext aber sollte in Ich-Botschaften gepackt werden. Bild: hfz
Jeder redet. Trotzdem ist es nicht einfach, miteinander zu sprechen. Und oft genug reicht es nicht, zu kommunizieren, um Probleme zu lösen. "Dann sind Taten statt Worte, also eine selbstkritische Verhaltensänderung der Konfliktpartner, nötig", weiß Bernhard Suttner.

Der Mann ist Bildungsreferent und kommt aus Windberg. Er referierte bei der Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Weiden-Ost zum Thema "Miteinander reden - aber wie?" Dabei stellte er erst einmal fest, was alles schief gehen kann bei einem Gespräch zum Beispiel in der Familie. Allein schon bei der Gesprächseröffnung. So belaste es die Stimmung, wenn eine Unterhaltung beginnt mit dem Ausfragen über den Tag ("Was war los?"), einer Verhaltensrüge ("Kannst du deine Schuhe nicht ordentlich hinstellen?") oder einer Anordnung ("Du kannst gleich den Geschirrspüler ausräumen und dann ..."). "Das schlägt auf die Stimmung. Und zwar für eine ganze Weile", sagte Suttner. Besser sei eine freundliche Begrüßung - oder Dank und Anerkennung auszudrücken. Wichtig sei zudem, über einen breiten Fächer von Gesprächsarten zu verfügen und nicht bekannt zu sein als der Dauernörgler, Jammerer oder Befehlsmensch. "Diese Menschen sind keine begehrten Gesprächspartner, sondern eine Belastung."

Anders sehe es aus, wenn man sich darum bemüht, positive Abteilungen des Gesprächsfächers auszuklappen: Danken, sich entschuldigen oder loben sind Arten des Miteinanderredens, die positiv auf die Beziehung wirken, erklärte Suttner. Die meisten aber redeten mit ihrem Partner oft nur noch per Anordnung, Frage, Rüge, Bitte oder Verweigerung. "Das verdirbt auf Dauer die besten Beziehungen." Eine Kettenreaktion setze sich in Gang: In einer belasteten Beziehung führten auch gut gemeinte und sorgfältig abgewogene Worte zum Streit und zu Missverständnissen. Das aufbauende Miteinanderreden dagegen pflege die Beziehung. Die Folge: Nicht jedes Wort werde auf die Goldwaage gelegt, Konfliktgespräche würden verkraftet, Kommunikationsfehler verziehen.

Hilfreich sei es, Ich-Botschaften zu senden. "Die Du-Botschaft greift an und fordert zum Gegenangriff heraus. Die Ich-Botschaft lässt wissen, was bei mir im Inneren los ist", sagt Suttner. Also statt "Räum auf!" könne formuliert werden: "Ich brauche ein Mindestmaß an Ordnung. Dazu gehört, dass einmal in der Woche aufgeräumt wird - und zwar jetzt!"

Abschließend wies der Referent auf die Notwendigkeit des guten Zuhörens hin. Hüten solle man sich vor einer allzu raschen "problemlösenden" Antworten. Und der erste Satz verrate oft gar nichts über das wahre Anliegen des Redenden: "Denn gerade an schwierige Gesprächsinhalte tasten sich Menschen langsam heran."
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