Konzert ein Segen fürs Kirchlein

Freude über eine gelungene Aktion für St. Sebastian: (von links) Inner-Wheel-Präsidentin Waltraud Spies, Pfarrer Egid Mühlbauer, Organist Dr. Horst Petzold, Sopranistin Julia Wagner und Rotary-Weiden-Präsident Alois Kaufmann. Bild: Kunz

Es war nicht nur ein Benefizkonzert der beiden Service-Clubs Rotary Weiden und Inner Wheel. Es handelte sich auch um ein Überraschungskonzert. Denn die Programmabfolge kannte nur der Organist.

Bereits eine Stunde vor Konzertbeginn verkauften die Service-Club-Mitglieder vor St. Sebastian Glühwein an Passanten und Besucher. Am Vortag hatte ein Flohmarkt 650 Euro für den Erhalt des Kirchleins an der Sebastianstraße erbracht. Rotary-Präsident Alois Kaufmann und Inner-Wheel-Präsidentin Waltraud Spies hießen die Besucher willkommen. Pfarrer Egid Mühlbauer, der den Förderverein "Rettet St. Sebastian" ins Leben gerufen hatte, zitierte Sophie Scholl: "Musik macht ohne Gewalt die Türen der Seele auf." Zwischen den Musikvorträgen ließ er immer wieder die Geschichte der Sebastiankirche vorbeigleiten.

Doch zunächst eröffnete Organist Dr. Horst Petzold das Konzert mit dem Präludium C-Dur von Johann Sebastian Bach. Es folgte die Bach-Toccata D-Moll. Aus der Feder von Theodore Dubois stammte eine weitere Toccata. Schließlich interpretierte der Organist eine Sonate von Johann Christian Rinck. Zum Abschluss sang Julia Wagner das Adventslied "Maria durch den Dornwald ging".

Älteste katholische Kirche

"St. Sebastian ist die älteste katholische Kirche Weidens", erklärte der Geistliche. Und ältere Kirchen spiegelten eine gewisse Ortsgeschichte wider. 1480 erbaut, sei St. Sebastian die Neustiftung eines Weidener Bürgerehepaares gewesen. Wahrscheinlich 1536 sei die Kirche dem großen Stadtbrand zum Opfer gefallen, dann notdürftig wiederhergestellt worden. Zunächst habe die Kirche als Scheune, Lagerhalle und Pestlazarett Verwendung gefunden. 1634 habe sie der protestantische Pfarrer Tobias Clausnitzer als Pfarrstadel genutzt. Offensichtlich sei es aber dann die Pest (1634 und 1638) gewesen, die der Kirche ihre ursprüngliche Bedeutung und Würde zurückgab.

"1634 starben in der zweiten Hälfte des Jahres 1800 Personen in der überfüllten Stadt an Pest und Hunger." Die Verstorbenen seien in den Nächten bei Fackelschein zu 200 und 300 in Massengräbern auf offenem Feld bestattet worden. 1680 war St. Sebastian Simultankirche mit drei Altären. 1687 sei die Ablösung durch die Katholiken erfolgt. Nach einem Blitzschlag sei von 1691 bis 1693 der Wiederaufbau durch die Katholiken erfolgt. Die Kirchenkonsekration habe der Wiener Fürstbischof von Rummel, ein gebürtiger Weidener, 1697 vollzogen.

"Die Kirchenausstattung muss feudal gewesen sein. Der Kirchenführer spricht von einer vergoldeten Orgel." Die Kirche sei auch Begräbnisstätte der Kapuziner gewesen, die 1658 nach Weiden kamen und die "30-jährige segensreiche Zeit der Jesuiten" ablösten. Säkularisierung 1802 mit Vertreibung der Kapuziner. 1819 Zerstörung der Innenausstattung aus der Barock- und Rokokozeit. Durch wen, lasse sich nicht mehr feststellen. Nach 1929 schrittweise Entfernung der neuromantischen Einrichtung. Im selben Jahr habe Bildhauer Wilhelm Vierling den Hochaltar angefertigt. Die Prozessionsstangen stammten von der hiesigen Handwerkerinnung. Der Förderverein zähle 130 Mitglieder.
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