Kraft-Akt fürs Theater

Bild: Wilck

Die "Päpstin" war schon da. Bald kommen Jochen Busse und Ingrid Steeger, "der Kurschattenmann", "Frau Müller" und noch einige mehr. Große Namen und starke Stücke auf einem Spielplan, den die "Kulturbühne Weiden" inszeniert. Wie lange noch? Nach dieser Saison könnte für die Theatermacher der Vorhang fallen.

Der "Kulturbühne" gehen die Hauptdarsteller aus. Um in der Nachfolge der "Kleinen Bühne" und des Landestheaters Oberpfalz das Tourneetheater in Weiden zu organisieren, fanden sich im Jahr 2013 drei städtische Mitarbeiter zusammen: Gerhard Hagler, Geschäftsführer der Max-Reger-Halle, Kulturamtschefin Petra Vorsatz und Sabine Guhl, die Leiterin der Regionalbibliothek. Nachdem Hagler nun in Ruhestand gegangen und die Reger-Halle zur GmbH umgewandelt ist, bleibt die Arbeit an den beiden Damen hängen. "Wir erledigen sie zusätzlich zu unseren eigentlichen Aufgaben", betont Guhl. "Das geht nicht mehr. Wir stoßen an unsere Grenzen."

Das geschrumpfte Organisationsteam kümmert sich um alles von der Auswahl der Stücke über Vertragsabschlüsse bis hin zum Buchen von Hotelzimmern, der Sponsorengewinnung und Werbung. Wer soll das künftig schultern? Eine Frage, welcher der Kulturbeirat seine Sitzung am Donnerstag (ab 14.30 Uhr, Neues Rathaus) widmet. Zwei Varianten stehen zur Auswahl. Die Stadt könnte zum einen das Personal im Kulturamt aufstocken. Nötig wäre eine zusätzliche "Drittelstelle", was rund 20 000 Euro pro Jahr kosten würde. Zum anderen könnte die "Kulturbühne" ihre Arbeit als Verein fortsetzen - wie einst schon die "Kleine Bühne".

Wie der Jazz-Zirkel

Der große Vorteil, wie Reger-Hallen-Geschäftsführer Johannes Häring anmerkt: "Die Aufgaben könnten auf mehrere Schultern verteilt werden." Ihm selbst sei es nicht möglich, den ausgeschiedenen Gerhard Hagler bei der "Kulturbühne" zu ersetzen, erklärt Häring. "Das dürfen wir gar nicht. Es ist nicht unsere Aufgabe, ein Defizit für Kultur zu tragen." Einen Verein ähnlich dem Jazz-Zirkel oder dem Förderkreises für Kammermusik werde man jedoch gerne unterstützen. Einen weiteren Vorteil nennt Sabine Guhl: Ein Verein könnte die Halle zu vergünstigten Preisen buchen. Im Falle der Organisation durch das Kulturamt dagegen müsste die Stadt der neuen GmbH die volle Miete abdrücken.

Im aktuellen Programm bietet die "Kulturbühne" sieben Aufführungen von Tourneetheatern im großen Saal, es endet am 17. April mit "Frau Müller ist weg". Etabliert hat sich die (aktuell neunteilige) Reihe "Klein & Kunst" im Untergeschoss. Bei Künstlern wie Adjiri Odametey (22. Oktober), Markus Rill (21. Januar) und Hans Theessink (14. April) dürfte erfahrungsgemäß kaum ein Platz frei bleiben. Dagegen schwanken trotz attraktiven Programms die Besucherzahlen beim Theater stark: von 200 bis 600. Häring hat die Hoffnung, dass ein breit aufgestellter Verein auch mehr Publikum für die Aufführungen begeistern kann.

Zunächst aber müssen sich Bürger für den Verein begeistern. Wer will Verantwortung übernehmen? Sabine Guhl winkt jedenfalls ab. Sie kann sich allenfalls vorstellen, dem Verein "helfend und beratend" zur Seite zu stehen. "Mir macht's ja auch nach wie vor Spaß." Ein herausragendes Ehrenamt wie das des Vorsitzenden oder des Kassiers will die "Regi"-Chefin jedoch nicht übernehmen. Petra Vorsatz dürfte das ähnlich sehen. Allerdings weilt sie im Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Was, falls kein Verein zusammengeht und die finanzklamme Stadt die höheren Ausgaben fürs Personal scheut? Dann fällt am 17. April - bei "Frau Müller muss weg" - wohl der letzte Vorhang für die lange Tourneetheater-Tradition in Weiden. Häring zumindest bleibt optimistisch: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich nicht genügend Leute für einen Verein finden werden."
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