Kraftakt für Langzeitarbeitslose

Trotz Aufschwungs: Die Langzeitarbeitslosigkeit ist ein fester Block, an dem sich schon viele die Zähne ausgebissen haben. Jetzt folgt ein neuer Anlauf. Das Jobcenter sucht Arbeitgeber, die Betroffenen eine Chance geben wollen. 800 000 Euro stehen dem Center Weiden-Neustadt zur Verfügung.

(sbü) Ende Juli zählte das Jobcenter Weiden-Neustadt im Hartz-IV-Bereich deutlich mehr als 2000 Arbeitslose. Und die Statistiker berichten: "Tendenz steigend". Viele Hartz-IV-Empfänger sind schon seit mehreren Jahren ohne Arbeit. Versuche, sie einzugliedern, waren meistens erfolglos. Mit dem jetzt vorgestellten "ESF-Bundesprogramm" werden neue Ansätze verfolgt, die verhärteten Strukturen der Langzeitarbeitslosigkeit aufzuweichen. Wolfgang Hohlmeier, Geschäftsführer des Jobcenters Weiden-Neustadt, stellte diese zusammen mit seinen Führungskräften in einem Pressegespräch vor.

Sozialpädagogen coachen

"Auf drei Säulen basiert das neue Konzept", erklärt Hohlmeier: gezielte Betriebsakquise, Intensivcoaching nach Beschäftigungsaufnahme sowie finanzieller Minderleistungsausgleich für den Arbeitgeber. Von der nachgehenden Betreuung im Coaching-Prozess versprechen sich die Jobcenter-Experten besonders viel. Sozialpädagogen betreuen die Teilnehmer überall dort, wo es erforderlich ist. "Das kann der Arbeitsplatz sein oder auch ihre Wohnung", ist den Förderbestimmungen zu entnehmen.

Zum Inhalt des Coachings zählt unter anderem "Soziale Aktivierung, Verhaltenstraining, Krisenintervention oder Hilfen bei Behördengängen". Den Langzeitarbeitslosen soll beim "Aufbau von Tagesstrukturen" über einen längeren Zeitraum geholfen werden. Sogenannte Schlüsselpersonen der Bedarfsgemeinschaft sollen vom Coach erfahren, was zur Stabilisierung des Beschäftigungsverhältnisses erforderlich ist.

Auch Alltagshilfen wie Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, Umgang mit Geld, das Einkaufen oder das persönliche Erscheinungsbild werden bei den Hilfestellungen genannt. Zwei Gruppen von Langzeitarbeitslosen sollen im Förderprojekt beschäftigt werden: Langzeitarbeitslose mit mindestens zweijähriger ununterbrochener Arbeitslosigkeit und sogenannte "Intensivfälle" mit mindesten fünfjähriger Dauer der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosen müssen im Regelfall mindestens 35 Jahre alt sein und sollen über keinen oder keinen verwertbaren Berufsabschluss verfügen. "Die Maßnahmeteilnehmer haben wir ausgesucht, jetzt brauchen wir dringend Arbeitgeber, die sie einstellen wollen."

Attraktive Anreize

Die Aufgabe, diese Arbeitgeber zu finden, übernimmt Michaela Hiller. Sie arbeitet als "Betriebsakquisiteurin", berät Arbeitgeber und potenzielle Maßnahmeteilnehmer und entwirft auch individuelle Förderpläne. Hiller besitzt langjährige Erfahrung in der Stellenakquise. "Zunächst möchte ich mich auf Helferstellen im Metall-, Lager-, und Versandbereich konzentrieren" kündigt sie an. Dass das Förderangebot für Arbeitgeber interessant ist, davon ist Hiller überzeugt. Schließlich kann sie Vorteile wie zum Beispiel einen bis zu 75-prozentigen Lohnkostenzuschuss, Übernahme von Pendelkosten, Kosten eines Führerscheins oder Pkw-Zuschuss für Maßnahmeteilnehmer und arbeitsplatzbezogene berufliche Qualifikationen bieten.
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