Kreativ gegen Bewerbermangel

Vor allem in den Handwerksberufen gibt es immer weniger Bewerber. Doch Betriebe können neue Wege gehen, um sich Auszubildende zu angeln. Sogar Fördergelder gibt es. Glas-Schöninger hat aus der Not eine Tugend gemacht.

(sbü) "Für die Ausbildung zum Flachglasmechaniker bekomme ich längst keine Bewerber mehr", sagt Til Schöninger, Inhaber und Geschäftsführer des Weidener Traditionsbetriebs Glas-Schöninger im Industriegebiet Am Forst. Flachglasmechaniker seien "das Rückgrat des Unternehmens". Doch Til Schöninger konnte geholfen werden. Und er erhält dafür sogar für die gesamte Ausbildungszeit 50 Prozent des Bruttoentgelts von der Arbeitsagentur ersetzt. "Geförderte Umschulungen aus dem Programm WeGebAU" heißt die Lösung. Anders als eine reguläre Ausbildung dauert sie nur zwei Jahre.

Weil die Firma Schöninger keine neuen Auszubildenden zum Flachglasmechaniker einstellen konnte, sah sie sich in ihrer Not auf Empfehlung der Arbeitsagentur im eigenen Personal um. Und siehe da, es gab zwei angelernte Beschäftigte, die bereit waren, sich als Facharbeiter umschulen zu lassen. "Vorteile für beide Seiten" sieht Thomas Würdinger, der Chef der Arbeitsagentur Weiden: Der Arbeitnehmer erhält sein gewohntes Entgelt weiter, und dem Arbeitgeber werden 50 Prozent dieses Bruttoarbeitsentgelts sowie die sonstigen Weiterbildungskosten wie Berufsschulgebühren, Prüfungsgebühren oder Fahrkosten ersetzt. Und vor allem hat er nach zwei Jahren zwei gelernte Flachglasmechaniker.

Das Risiko für den Betrieb sei auch deswegen gering, sagt Schöninger, "weil ich die Beschäftigten ja schon kenne". Schöninger sieht den Weg als beispielhaft an, um auch im Handwerk noch an Bewerber zu kommen. Für Würdinger ist dies eine kreative Lösung, um "aus den vorhandenen Arbeitsmarktreserven noch Nachwuchs für Handwerksberufe zu gewinnen". Die Arbeitsagentur habe dafür eigens Qualifizierungsberater für Betriebe angesetzt, um Lösungsmöglichkeiten für den Fachkräftemangel individuell zu entwickeln.

Rund 25 solcher Umschulungsfälle gibt es schon. Die Zahlen könnten deutlich höher liegen. "Die dafür vorhandenen Mittel werden dieses Jahr bei Weitem nicht ausgeschöpft", bedauert Würdinger.
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