"Krebs" im Rathausdach

Der Dachstuhl des Alten Rathauses ist ein Meisterwerk gotischer Zimmermannskunst, schwärmt Ingenieur Anton Landgraf. Zugleich ist er besorgt: Am Gebälk versuchten sich stümperhafte Laien. Sie sägten Balken ab, zogen andere ein, "verschlimm-besserten" die Statik.

Jetzt sitzen Fäule und Feuchtigkeit im Dachstuhl, ein gefährlicher, bösartiger Krebs, der wuchert und wuchert, die Standfestigkeit der gesamten Konstruktion gefährdet. Die Stadt muss handeln und vermutlich ein Millionen-Projekt anpacken, betonte er im Bau- und Planungsausschuss. Das Vorhaben kann die Stadt allein finanziell nicht stemmen. Aber: Es gibt erste Zusagen für Fördermittel aus dem Entschädigungsfonds für die hohen denkmalpflegerischen Mehraufwendungen. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz müsse helfen.

Schon die einleitenden Worte von Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm ließen Schlimmes ahnen: "O weh, o weh. Hier geht's nicht mehr nur um die Sicherung der Biberschwänze." 930 000 Euro hat die Stadt im Haushalt 2015 für die Dachsanierung am Alten Rathaus eingestellt. Doch die Summe reicht nicht. Denn die Ursache für die immer wieder herabfallenden Dachziegel liegt im zerstörten statischen Gefüge des komplizierten historischen Dachstuhls. Umbauten, Reparaturversuche, "modische Angleichungen" wie das Entfernen der schützenden "Vorhölzer", im Dach verbliebener Bauschutt und Müll, eindringende Feuchtigkeit führten zu den Schäden in der 1545 fertiggestellten Konstruktion, erläuterte Anton Landgraf (ALS-beratende Ingenieure aus Amberg). Diese überspannte einst übrigens "völlig frei" das Rathaus, das im Obergeschoss einen riesigen Festsaal aufgewiesen haben muss. Die kleinteiligen Einbauten erfolgten ebenso wie der Anbau der Freitreppe erst 1914. Ein Rätsel bleibe weiterhin, wann der Turm ans Gebäude kam, den die Dachkonstruktion als nachträglichen Einbau ausweist.

Balkenköpfe sind verfault, die Zerrbalkenlage ist zerstört, funktioniert nicht mehr. Aufklaffungen erreichen Breiten von bis zu 15 Zentimetern. Bei der Sanierung, die 2017 beginnen könnte und zwei Jahre dauern wird, muss der Dachstuhl "ohne Last" sein.
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