"Kriminaler" leitet die Verkehrspolizei

Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer tat sich schwer: "Fütterer hatte zumindest zwei harte D im Namen." Aber Ochantel? "Wie soll ich das als Franke aussprechen?" Der neue Chef der Verkehrspolizei bot ihm die hugenottische Variante an: "Oschantél." "Klingt auch gleich ganz anders."

(ca) Werner Ochantel, 51 Jahre, aus Vohenstrauß ist der neue Leiter der Verkehrspolizeiinspektion und folgt damit auf Robert Fütterer (60). Es ist noch so einiges ungewöhnlich am neuen Chef: Ursprünglich war Ochantel "Kriminaler" (16 Jahre Kripo Regensburg und Weiden, 5 Jahre Kriminaldienst Waidhaus). Trotzdem eignet er sich bestens als oberster Verkehrspolizist: Grenzüberschreitende Kriminalität ist ein Aufgabengebiet der VPI Weiden. Zuletzt leitete Ochantel am Polizeipräsidium das Sachgebiet E 1 und war mitverantwortlich für die Personalverteilung. "Seine Vielseitigkeit ist eine seiner Stärken", lobte Polizeipräsident Rudolf Kraus, der ihn die letzten 5 Jahre "Tag für Tag" schätzen lernte.

Auch im Privatleben gibt es manches außer der Norm: Künftig bleibt mehr Zeit für Lebensgefährtin Andrea Weich - denn: verheiratet ist das Paar, das seit 30 Jahren beisammen ist und drei Kinder zwischen sechs und 21 Jahren großgezogen hat, immer noch nicht. Bisher ließ Ochantel etliche Pendelkilometer auf der Autobahn. "Jetzt trägt er Verantwortung, dass sich andere sicher durch die Oberpfalz bewegen können", so Kraus. Der hoch gelobte neue VPI-Chef versprach "volle Hingabe" sowie "Besonnenheit, Maß und Ziel".

Auch Vorgänger Fütterer hatte Staatsanwalt Schäfer anfänglich vor ein Rätsel gestellt: "Ich dachte immer: Stimmt was nicht? Hat er es nicht mit Staatsanwälten? Mag er Franken nicht?" Bis er verstanden habe: "Sie sind einfach ein ruhiger Mensch und wurden für mich zu einer absolut verlässlichen Größe. Ich werde Sie vermissen." Präsident Kraus würdigte die ausgeglichene Art: "Poltern ist nicht Ihr Handwerk." Nichtsdestotrotz leitete Fütterer auch spektakuläre Einsätze, wie die Beschlagnahme von 30 Luxus-Sportwagen eines Autorennens aus Prag auf der A 6.

Beim frischen Pensionär machte sich Wehmut breit. Die neue Freiheit wird er für Besuche seiner Söhne und Enkel in Arizona und Sachsen nutzen. Selbst nach dreiundvierzigeinhalb Jahren im Polizeidienst hat Fütterer seine Berufswahl nie bereut: "Es gibt kaum einen Beruf, der so abwechslungsreich und interessant, aber auch so fordernd ist." Er erinnerte an seine Ausbildung 1971 bei der Bepo in Eichstätt: "ziemlich militärisch". Seine Motivation habe er aus Kollegen gezogen, die im Streifenwagen an der Kaserne vorbeifuhren: "Irgendwann sitzt du da auch drin."

Abzocke: "absoluter Unfug"

Der Tirschenreuther merkte an, dass sich Brutalität und Aggressivität im Polizeialltag gesteigert hätten. Dazu hatte Leitender Oberstaatsanwalt Schäfer eine Anmerkung: "Kontrollen als ,Abzocke' zu bezeichnen, ist absoluter Unfug." In logischer Konsequenz müsse die Abschaffung von Geschwindigkeitskontrollen gefordert werden. "Das will auch keiner." Sein Willkommensgruß an den neuen Leiter: "Herr Ochantel, kontrollieren Sie, wo Sie es für richtig halten. Meinen Segen haben Sie."
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