Kunstwerke in Ton gebrannt

Dieses Modell des Portals am Alten Rathaus - von der Kaisersteinbruch-Gesellschaft in Köln 1915 gefertigt - wurde letztlich umgesetzt.

Dass die Porzellanindustrie in Weiden eine wichtige Rolle spielt, ist bekannt. Was viele nicht wissen: Die Max-Reger-Stadt beherbergte schon im 16. Jahrhundert Hafnerfamilien, die beeindruckende Stücke der Handwerkskunst fabrizierten. Eine Auswahl davon ist derzeit im Stadtmuseum zu sehen.

Weiden. (ps) "Wir konnten dabei aus dem Vollen schöpfen", freut sich Petra Vorsatz. Die Leiterin des Amtes für Kultur, Stadtgeschichte und Tourismus nennt auch gleich den Grund. "Unser Stadtmuseum ist ursprünglich als Gewerbemustersammlung gegründet worden." Gesammelt wurden vorzügliche Stücke, die den ansässigen Handwerkern als Orientierung dienen sollten. Die haben das offenbar ernst genommen. Denn was die Weidener Töpfer und Ofenbauer fabriziert haben, lässt noch heute die Herzen von Kennern höher schlagen.

Feilner, Bedall, Leimberger

Das gilt insbesondere für Mitglieder der Hafnerfamilien Feilner, Bedall und Leimberger, die sich zu Meistern ihres Fachs entwickelten. Bei der Familie Feilner gab es aber auch zwei "Ausreißer", weiß Petra Vorsatz. Im positiven Sinne: Denn Tobias Christoph Feilner (1773 - 1839) landete auf seiner Wanderschaft in Berlin, wo er eine Porzellanmanufaktur übernahm und zu einem Musterbetrieb mit 120 Mitarbeitern ausbaute. Der berühmte Architekt Karl Friedrich Schinkel hat sein Haus in Berlin-Kreuzberg entworfen. Petra Vorsatz: "Die Straße dort ist sogar nach Tobias Feilner benannt."

Weit gebracht hat es auch sein Neffe Hans Simon Feilner (1726 - 1798). Als Modelleur und Modellmeister der Porzellanmanufaktur Fürstenberg schuf er unter anderem die Porzellanplastik "Türke mit Pferd", die zu den Exponaten im Stadtmuseum gehört. Wer will, kann sie sich auch frisch produziert in den Wohnzimmerschrank stellen. "Diese Plastik wird bis heute von Fürstenberg hergestellt." Berühmt sind auch seine Figuren aus der Comedia dell'Arte. "Die sind einfach wunderschön", schwärmt Petra Vorsatz - und natürlich im Stadtmuseum zu sehen.

Ebenfalls ein Meister seines Fachs: Peter Bedall. Der Hafnermeister schuf im 19. Jahrhundert unter anderem Jugendstilkacheln für einen Brennofen, dessen Plan bis heute im Stadtarchiv erhalten ist. Von Hafnermeister Johann Christian Bedall sind Ton-Modeln mit den Porträts von Kurfürst Karl Theodor und Kurfürst Max IV. Joseph zu sehen. Sie sind handsigniert. Das war zur damaligen Zeit alles andere als üblich. Übrigens: Auch die Leimbergerstraße in Weiden verdankt ihren Namen einem berühmten Hafner aus Weiden. Georg Leimberger fertigte 1693 unter anderem kostbare Kachelöfen für den Erzbischof in Prag.

Modeln für Kuchen und Sulz

Daneben gibt es in der Ausstellung auch viele Gebrauchsgegenstände aus den Weidener Hafnerwerkstätten zu sehen: Modeln für Kuchen, Fischsülze - in Form eines Fisches oder eines Hummers - und Kleingebäck. Wer jetzt Appetit bekommen hat, natürlich auf die Ausstellung, kann diese noch bis 25. September besuchen. Die Öffnungszeiten: Montags bis freitags, 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16.30 Uhr.
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