Kurzes Notquartier im Pfarrhaus: Rothenstädter Pfarrersfamilie hat unbegleitete Minderjährige ...
Flüchtlinge im Kinderzimmer

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler. Bild: Wilck
(ca) Weiden ist schneller als der Papst. Jede Pfarrei möge eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen, forderte Franziskus am Wochenende. Schon vor einem Jahr, im Oktober 2014, öffnete die katholische Pfarrei Herz Jesu ihr Pfarrheim für Flüchtlinge. St. Josef stellt eine Wohnung zur Verfügung und hat überdies einen 15-Jährigen im Pfarrhaus aufgenommen (Seite 3) . Auch der evangelische Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler hatte bei sich zu Hause schon unbegleitete Jugendliche einquartiert.

Was sagen Sie zur Aufforderung des Papstes?

Hans-Peter Pauckstadt-Künkler: Ein sehr pragmatischer Vorschlag.

Sie haben's ja schon gemacht.

Pauckstadt-Künkler: Schon dreimal. Bei uns haben drei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gewohnt. Zunächst ein Marokkaner für zehn Tage. Zuletzt zwei 13-Jährige aus Afghanistan für eine Woche.

Wie kam es dazu?

Pauckstadt-Künkler: Die Wohngruppen für Minderjährige waren zu dem Zeitpunkt komplett ausgelastet. Man hat dringend jemanden gebraucht, der Betten frei hat. Die Stadt beziehungsweise die Polizei riefen bei uns an. Wir haben fünf Kinderzimmer, aber nur noch unsere jüngste Tochter Ronja lebt im Haus. Die anderen vier Zimmer sind frei, aber noch eingerichtet.

Wie haben Sie sich verständigt?

Pauckstadt-Künkler: Mit Englisch und Händen und Füßen. Über das Netzwerk und den AK Asyl verfügen wir gottlob über etliche Dolmetscher. Jeden Tag kam für eine halbe Stunde ein Übersetzer ins Haus, um die wichtigsten Fragen zu klären.

Würden Sie das wieder tun?

Pauckstadt-Künkler: Ja, klar. Gerade jetzt, wo eine größere Gruppe ankommen soll, warten wir darauf, dass für uns wieder jemand hängenbleibt.

Was halten Sie denn nun vom Papst-Vorschlag?

Pauckstadt-Künkler: Das muss jeder selbst entscheiden. Und ist es ist nicht ganz so einfach, wie er das hinstellt. Es muss schon jemand im Haus sein. Wenn beide berufstätig sind und die Jugendlichen den ganzen Tag allein herumhocken, dann tut man ihnen auch keinen Gefallen. Ich habe das Glück, viel zu Hause zu sein und mich mit meiner Frau abstimmen zu können. Außerdem haben wir die Helfer des Netzwerks im Rücken. Je mehr Leute sich kümmern, umso einfacher.

Hat denn nicht jede Pfarrei einen Pfarrsaal, wo größere Gruppen unterkommen könnten?

Pauckstadt-Künkler: Wir haben das im Kirchenvorstand auch diskutiert. Aber diese Häuser sind eher ungeeignet, sie haben in der Regel keine Dusche, nur eine Toilette. Das geht mal eine Nacht, aber nicht länger.

Wie fanden Sie die Jungs?

Pauckstadt-Künkler: Die waren alle nicht so, dass man da Angst vor haben müsste. Die beiden 13-Jährigen wollten zur ihrem Onkel nach Norwegen. An einem Morgen früh um 6 Uhr waren sie einfach weg. Wir haben nur die Tür gehen hören.

Haben Sie die beiden zumindest aufgepäppelt für die Weiterreise?

Pauckstadt-Künkler: Die haben gegessen wir die Scheunendrescher. Wir wussten ja auch, dass sie zum Onkel wollten. Ich halte es für richtig, die Leute ziehen zu lassen, viele haben Verwandtschaft in Europa. Interessant war, dass die gesamte Organisation der Flucht über das Handy lief. Das ist ein lebenswichtiges Utensil. Ohne würde es nicht gehen.
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