Ladendieb zückt Messer

Wegen räuberischen Diebstahls muss sich ein 44-Jähriger vor dem Schöffengericht Weiden verantworten. Der Mann soll bei einem Beutezug im Februar mehrere Angestellte eines Elektromarktes mit dem Messer bedroht haben.

Weiden. (rns) Der 44-Jährige war bei der Tat nicht allein. Laut Anklageschrift hat er damals gemeinsam mit einem Komplizen zwei Mobiltelefone gestohlen und mehrere Mitarbeiter mit einem Messer bedroht. Der Tathergang laut Anklageschrift: Kurz vor Ladenschluss kam ein Kunde einer Verkäuferin verdächtig vor. Er ließ sich zwei hochwertige Smartphones aushändigen. Verkaufspreis jeweils 699 Euro. Ein drittes verweigerte die Frau und benachrichtigte ihren Vorgesetzten. Per Überwachungskamera beobachtete dieser den Kunden und stellte dabei fest, dass er die Geräte in der Umhängetasche eines Begleiters verstaute.

Nach dem Passieren des Kassenbereiches stellte der Abteilungsleiter zusammen mit einem Verkäufer das Duo. Der Aufforderung, ihnen ins Ladendetektiv-Büro zu folgen, kamen die Diebe jedoch nicht nach. Vielmehr antwortete der jetzt Angeklagte: "Bestimmt njet!" und stach ohne Vorwarnung mit einem schwarzen Messer in Richtung eines Mitarbeiters. Die Angestellten gaben daraufhin klein bei, die Diebe flüchteten.

Seit über drei Jahren sei er in Deutschland und habe noch nie etwas gestohlen, obwohl er Gelegenheit gehabt hätte, verteidigte sich der aus Russland stammende, geduldete Asylbewerber. Auf Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindls Einwand, dass dies eigentlich der Normalfall sein sollte, ging er nicht ein.

Namen nicht verraten

Vielmehr verwickelte er sich in Widersprüche. Er - "Sozialgeldempfänger" - habe sich in jenem Monat drei Mal mit dem Amt gestritten, weil man ihm kein Geld mehr geben wollten. Deshalb sei er "ausgeflippt". Das Messer habe er "aus Gewohnheit immer in der Hand". Den Komplizen kenne er nur flüchtig. Vor dem Haftrichter hatte der 44-Jährige noch gesagt, er werde "dessen Namen nicht sagen". Die Mobiltelefone habe er in Polen, wohin er mit dem eigenen Auto geflüchtet war, verkauft.

Zur Überraschung aller berichtete ein Polizeibeamter als Zeuge, dass der Komplize mittlerweile ermittelt wurde. Die Smartphones seien in Weiden bei einem Tschetschenen sichergestellt worden. Auf den Angeklagten sei man gekommen, weil er wenige Stunden vorher beim Abschluss eines Mobilfunkvertrags seine "Duldung" vorgelegt hatte.

Bei zwei Verkäufern des Elektromarks hatte der Vorfall bleibenden Eindruck hinterlassen. Man habe öfter mal mit Ladendieben zu tun, aber "so schlimm war es noch nie". Da Richter Heindl und Staatsanwältin Susanne Pamler noch die KameraAufzeichnungen einsehen und einen weiteren Zeugen hören wollen, wird die Verhandlung am 17. Juni um 10 Uhr fortgesetzt.
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