Längerer Weg zum Hausarzt

Die Bayerische Landesärztekammer tagt an diesem Wochenende in der Max-Reger-Halle. Am Freitag erläuterten (von links) Vizepräsident Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsidentin Dr. Heidemarie Lux, Präsident Dr. Max Kaplan und Pressestellen-Leiterin Dagmar Nedbal die wichtigsten Themen. Bild: rti

Es wird immer schwieriger, Hausärzte in den ländlichen Raum zu locken. Zudem gibt es immer mehr Medizinerinnen. Dies erfordert neue Modelle, welche die Delegierten auf dem 73. Bayerischen Ärztetag in Weiden diskutieren.

Seit Freitagabend beschäftigen sich 180 Delegierte beim Bayerischen Ärztetag in der Max-Reger-Halle mit der aktuellen Sozial-, Gesundheits- und Berufspolitik. "Die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in einer sich wandelnden Gesellschaft ist unsere Hauptaufgabe", sagte Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), beim Pressegespräch.

Für die angekündigte Qualitätsoffensive erhalte die Bundesregierung viel Zustimmung von der Ärzteschaft. Allerdings müsse dieser Begriff genau definiert werden. "Wir verstehen darunter Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität", erklärte Kaplan. Es sei zu hinterfragen, ob die Honorierung ärztlicher Leistung ausschließlich nach Ergebnisqualität richtig sei oder ob nicht eher die erbrachte Leistung bezahlt werden sollte.

Der Referentenentwurf des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes zementiere die alten Strukturen. "Das ist eher enttäuschend für uns." Das Ziel, den drohenden Ärztemangel einzudämmen, werde dadurch nicht erreicht. "Wir brauchen mehr Hausärzte. Nur die Weiterbildung zu verbessern, reicht nicht aus." Wichtig sei, die Praxisnetzwerke zu stärken.

Diesen Punkt griff auch Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der BLÄK und Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Weiden, auf. Für den ländlichen Raum seien zeitgemäße Versorgungseinheiten - beispielsweise Gemeinschaftspraxen - nötig. "Wir werden irgendwann mehrere Orte zu einer Versorgungseinheit mit einem Zentrum zusammenfassen müssen." Die Patienten müssten längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Zudem sprach sich Rechl dafür aus, die Bedarfsplanung zu überarbeiten. Und Kaplan nannte als weiteres Zukunftsthema die Sicherstellung des Bereitschaftsdienstes.

In der Stadt Weiden gebe es momentan noch keine Probleme im Hausärztebereich. "Bei den Fachärzten haben wir kleinere Probleme, vor allem bei den Hautärzten", sagte Rechl. In dem Bereich Weiden, Neustadt/WN und Tirschenreuth gebe es 336 ambulant tätige Mediziner (davon 85 Frauen) und 350 stationär tätige (davon 160 Frauen).

Der Anteil der Frauen in der bayerischen Ärzteschaft steigt weiter. Von 40,9 Prozent im Jahr 2009 auf aktuell 43,8 Prozent. Nach wie vor gebe es aber zu wenig Chefärztinnen. Als Gründe nannte Dr. Heidemarie Lux, Vizepräsidentin der BLÄK, strukturelle Hindernisse (unflexible Arbeitszeitmodelle, fehlende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder) und ein anderes Führungsverständnis von Frauen. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat in manchen europäischen Ländern einen wesentlich höheren Stellenwert als hierzulande", erklärte Lux. Zudem kämen Medizinerinnen oftmals in dem niedergelassenen Bereich nicht an, weil sie die hohen finanziellen Belastungen mit Blick auf ihre Familienplanung scheuen.

Lux mahnt an, dass Ärzte nicht nur "zum Reparieren da sind". Die Bedeutung der Prävention werde noch immer unterschätzt. Zum Jahresende soll der Entwurf für ein Präventionsgesetz vorliegen. "Wichtig ist, dass wir für unsere Beratung auch entsprechend vergütet werden."
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