"Laie" für 180 Euro die Stunde

Der Rechtsstreit zwischen dem ehemaligen Chef der Stadtwerke Weiden, Ludwig Buchner, und den Stadtwerken geht weiter. Weder ein Gutachten noch der Einsatz von Richter Viktor Mihl führten am Dienstag vor der 1. Zivilkammer zu einer Lösung.

Richter Viktor Mihl versuchte alles. Immer wieder probierte er den ehemaligen Werkleiter Ludwig Buchner und seinen Nach-Nachfolger, Vorstand Johann Riedl, als Vertreter der Stadtwerke von einem Vergleich zu überzeugen. Vergeblich.

Zur Vorgeschichte: Buchner hatte im Mai 2012 mit Riedl einen Beratervertrag geschlossen. Im September stellte er eine Rechnung über 177 000 Euro für eine 121-seitige "Finanz- und Betriebsanalyse für die Jahre 1982 - 2012". Dafür veranschlagte der Pensionär 829 Stunden. Vereinbart war ein Stundenhonorar von 180 Euro zuzüglich Umsatzsteuer. Die Stadtwerke zahlten nur 53 550 Euro.

"Es gibt keinen schriftlichen Auftrag für die Analyse. Da haben wir ein Problem", wandte sich Mihl an Buchner. Aber auch in Richtung Riedl wurde er deutlich: "Sie bezahlen 53 550 Euro ohne schriftlichen Auftrag. Da beißt sich doch etwas."

Wirtschaftsgutachter Dr. Michael Harz hatte nun überprüft, ob die angegebenen Arbeitsstunden für die Betriebsanalyse realistisch waren. "Die Analyse rechtfertigt keine 829 Stunden Arbeitsaufwand. Das Thema ist anspruchsvoll, aber das Ergebnis mager", zitierte Richter Mihl aus dem Gutachten, das von einem Arbeitsaufwand zwischen 241 und 327 Stunden ausgeht.

Sehr hohe Stundenzahl

Allerdings schränkte Dr. Harz bei der Befragung ein, dass diese Zeit ein durchschnittlicher Sachverständiger aus seinem Büro brauche. Der Umstand, dass Buchner quasi als Laie die Analyse erstellte, habe bei seinem Gutachten keine Rolle gespielt. "Ich halte die über 800 Stunden schon für sehr viel, aber es ist schon möglich, wenn man wenig Erfahrung hat und keine entsprechenden EDV-Tools."

Der Experte wies zudem darauf hin, dass es sehr unüblich sei, bei der Beleuchtung der Finanzsituation von 2012 bis in das Jahr 1982 zurückzugehen. "So etwas kenne ich nicht." Eigentlich sei ein Zeitraum über die letzten fünf Jahre ausreichend, "denn alles andere ist Historie".

Richter Mihl schlug vor, sich auf einen Betrag von 10 000 Euro zu einigen. Dies lehnten beide Parteien aber ab. Anwalt Dr. Burkhard Schulze forderte für seinen Mandanten Buchner zumindestens 30 000 Euro. Und somit gab es für Stadtwerke-Anwalt Christian von der Linden keine Verhandlungsbasis.

Den Verkündungstermin seiner Entscheidung setzte der Richter für den 16. Januar an. "Die Gegenseite glaubt, sie hat jetzt Oberwasser. Aber wir gehen notfalls weiter zum Oberlandesgericht, denn hier in Weiden geht es wahrscheinlich nicht so aus, wie wir das wollen", sagte Dr. Schulze nach der Verhandlung. Dennoch räumte der Rechtsanwalt ein, dass einen Einigung mit der Gegenpartei noch möglich sei.
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