Landkarte des Kreativraums

Die Annaberger Künstlerin Sylvia Graupner umrahmt die Vernissage mit "Balladen und Brimborium". Bild: uz

"Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden", zitierte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß den Dichter Christian Morgenstern. Als Schirmherr der Pfingstausstellung des Oberpfälzer Kunstvereins (OKV) in der Aula der Realschulen charakterisierte Seggewiß am Samstagabend bei der Eröffnung Kunst als das "Salz in der Suppe".

Weiden. (uz) Die Stadt Weiden sei sich ihrer Aufgabe wohl bewusst. "Kunst ist uns wichtig. Und wir finden derzeit eine wunderbare Symbiose zwischen dem Stadtsäckel und der Sponsorenlandschaft." Wie OKV-Vorsitzende Irene Fritz unterstrich, sei die Pfingstpräsentation keine Themenausstellung. "Wir definieren sie als jurierte Mitgliederschau."

Entsprechend ist das Spektrum der 50 beteiligten Künstler breit gefächert. Neben handwerklichen Arbeiten legt der OKV auch seine zeitgenössischen Strukturen frei. Oder wie es Irene Fritz treffend formulierte: Diese Ausstellung sei in ihrer Bandbreite in der Lage, "eine topografische Landkarte unseres Kreativraums zu zeichnen".

Der OKV biete dem einzelnen Künstler die Möglichkeit der Identitätsfindung und damit die Spurensuche nach dem eigenen Kopf, Körper und Geist. Dabei begrüßte die Vorsitzende drei Neumitglieder, das Jüngste sei 16 Jahre alt. Die Arbeiten - 120 Bilder und zahlreiche Skulpturen - spiegeln sowohl gesellschaftliche Interpretationen als auch zeitlose Schönheit wider.

Sie sind gegenständlich-realistisch und abstrakt. Ein gesunder Mix aus Träumereien, Reiseerlebnissen, altmeisterlichen Techniken oder auf Augentäuschung angelegten Bildelementen individueller Kreativität. Das Wechselspiel zwischen Realismus und Illusion lässt sich wunderbar an den Arbeiten des diesjährigen Preisträgers Kevin Altmann beobachten. Der Fachoberschulabiturient verblüfft mit Fotografien, die er professionell verfälscht. Alle ausgestellten Arbeiten sind Ausschnitte, sind Blickwinkel, eigene Auffassungen der jeweiligen Kunstschaffenden.

Südafrikaner als Gast

Als Gastkünstler stellen der Südafrikaner Arnoud Malan, Jörn Michael, Volker Beyer und Sylvia Graupner aus. Letztere umrahmte die Vernissage mit "Balladen und Brimborium", musikalischen Inhalten und Gedichten. Sylvia Graupner aus Annaberg-Buchholz zeichnet sich durch ihre Buchillustrationen und Klangfärbungen aus. Beyer ist Holzbildgestalter, hat in der ehemaligen DDR Holzspielzeug konstruiert. Er arbeitet mit präzise geformten Steckfiguren, die der Interpretation freien Raum lassen. Michaels Steckenpferd sind feingepunktete Köpfe. Er kombiniert seine Zeichnungen gerne mit Materialien und Wörtern. So zum Beispiel mit Kurzkommentaren seiner an Demenz leidenden Großmutter. Malan ist Wanderer zwischen den Welten. Er zeichnet sich durch farbige und expressive Aquarelle aus.

Die Ausstellung dauert bis 4. Juni und ist täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
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