Landtagsabgeordnete Annette Karl folgert dies aus dem DAK-Gesundheitsreport
Gesundheit: Eine Frage des Lohns

Bei Krebs-Neuerkrankungen hatten wir extrem lange Arbeitsunfähigkeitszeiten. Die Krankheitstage sind je Fall von 35,1 auf 59,2 angestiegen.
Weiden. (ps) Mit 3,9 Prozent blieb der Krankenstand in der Nordoberpfalz 2014 zwar unverändert im Vergleich zu 2013. Die Region zählt damit allerdings zu den Schlusslichtern in Bayern, liegt nach den Bereichen Bayreuth (4,2 %), Bad Kissingen und Schweinfurt (jeweils 4,1 %) an viertletzter Stelle. Die positive Spitze bildet Starnberg (Krankenstand 2,6 %), wo der Verdienst bekanntermaßen sehr hoch liegt. "Also hat Gesundheit doch etwas mit dem Einkommen zu tun", folgert Landtagsabgeordnete Annette Karl bei der Vorstellung des DAK-Gesundheitsreports 2015.

Der basiert auf den Versorgungsdaten der Kasse sowie der Befragung von 5000 Arbeitnehmern und zeigt noch weitere interessante Entwicklungen auf: Psychische Erkrankungen haben in der Nordoberpfalz stark zugenommen und liegen mit 17 Prozent mittlerweile auf Platz 2, gleich nach Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (24,5 %). Dafür sind die Krankheiten des Atmungssystems (11,1 %) von Platz 2 auf 4 gerutscht. Mit 13,1 Prozent stehen Verletzungen auf Platz 3.

Immerhin 29 000 Versicherte zählt die DAK laut Thomas März-Kronfeld (Leiter der Service-Abteilung Ostbayern) in der nördlichen Oberpfalz. Dass die psychischen Erkrankungen so stark zugenommen haben, liege nach Ansicht eines Mediziners unter anderem an der wesentlich differenzierteren Diagnostik, erklärt er den SPD-Abgeordneten Uli Grötsch, Annette Karl und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß.

Der Rückgang der Glasindustrie könnte bei der Besserung der Atemwegserkrankungen eine Rolle spielen, mutmaßt März-Kronfeld. Denn die Emissionen dieser Branche hätten früher häufig zu Atemwegserkrankungen geführt. Eine einleuchtendes Erklärung hat er für den drastischen Zuwachs bei Krankheitszeiten wegen Krebs-Neuerkrankungen zur Hand. Die Fehltage von Beschäftigten haben sich fast verdoppelt: von 47 auf 92. "Hier hatten wir extrem lange Arbeitsunfähigkeitszeiten. Die Krankheitstage sind je Fall von 35,1 auf 59,2 angestiegen."

OB Seggewiß vermutet zudem, dass der Ausbau der Onkologie an der Kliniken Nordoberpfalz AG hier eine Rolle spielt. "Bei Früherkennung bestehen beste Heilungschancen", sagt er. "Die Menschen machen davon immer mehr Gebrauch."

Dass die Versorgung von psychisch Kranken - nicht nur angesichts der deutlich gestiegenen Fallzahlen - in der Nordoberpfalz immer noch hinterherhinkt, ist bekannt. Seggewiß verwies jedoch auf die in Weiden geplante Jugendpsychiatrie, für die "vermutlich noch in diesem Jahr" der Spatenstich erfolgen werde.
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