Langer Weg zur Integration

VHS-Bereichsleiter Harald Krämer händigt ein B1-Sprachzertifikat an Lehrgangsteilnehmerin Mane-Noelle Atangana aus. Sie kommt aus Kamerun. Vielleicht hat sie weniger Eingliederungsprobleme als viele ihrer Lehrgangskollegen: Atangana ist mit einem Deutschen verheiratet. Bild: sbü

Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen, ist wichtig. Schnell wird es aber auch um Fragen der Berufstätigkeit und der Integration in den Arbeitsmarkt gehen. Im Zuständigkeitsbereich der Agentur Weiden und der Jobcenter Weiden-Neustadt und Tirschenreuth gibt es bereits Erfahrungswerte durch mehrere Hundert Asylbewerber. Daraus lässt sich viel ableiten.

(sbü) Nach den geltenden Vorschriften von Arbeitsverwaltung und Ausländerbehörden kann Asylbewerbern und Geduldeten bereits nach drei Monaten Aufenthalt eine Beschäftigungserlaubnis erteilt werden. In einem fünfseitigen Merkblatt informiert darüber die Bundesagentur für Arbeit.

Vor der Erteilung einer Arbeitserlaubnis prüft sie vor allem, "ob der Asylbewerber nicht zu ungünstigeren Arbeitsbedingungen beschäftigt werden soll als vergleichbare deutsche Arbeitnehmer und ob keine bevorrechtigten Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen (Vorrangprüfung)". Der zweite Teil der Prüfung steht nach Aussage von Klaus Gredinger, Teamleiter des Arbeitgeberteams der Agentur Weiden, in Anbetracht des leer gefegten Arbeitsmarktes einer Beschäftigungsaufnahme eines Asylbewerber selten entgegen. "Doch zu solchen Prüfungen sind wir in den letzten Monaten eigentlich kaum gekommen", sagt Gredinger. Der Arbeitsmarktexperte erinnert sich - duale Ausbildung ausgenommen - nur an einen einzigen Fall einer Arbeitserlaubnis für einen Arbeitnehmer aus Syrien. Andere erteilte Arbeitserlaubnisse beträfen Personen, die nicht aus Herkunftsländern der aktuellen Zuwanderung stammten.

Zeitnahe Bearbeitung

"Wir als Ausländeramt prüfen alle eingehenden Arbeitserlaubnis-Anträge sehr wohlwollend und zeitnah und leiten diese unverzüglich an die Bundesagentur für Arbeit weiter", sagt Reinhold Gailer von der Stadt Weiden. Dass Beschäftigungsaufnahmen von Asylbewerbern nach dreimonatiger Anwesenheit kaum stattfinden, ist laut Gredinger "in der Hauptsache vermutlich auf die fehlenden deutschen Sprachkenntnisse zurückzuführen". Dringenden Bedarf für zusätzlichen Sprachunterricht von Asylbewerbern und Asylberechtigten sieht auch Harald Krämer, der als Bereichsleiter bei der Volkshochschule Weiden für Integrationskurse zuständig ist.

"In unseren Integrationslehrgängen kann nur das B1-Sprachzertifikat erworben werden", sagt er. Für qualifiziertere Tätigkeiten, etwa im pflegerischen Bereich, sei das B2-Zertifikat erforderlich. Fördermöglichkeiten dafür gebe es nur in Ausnahmefällen. Krämer betont auch, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge B1-Sprachlehrgänge erst dann fördere, "wenn die Bleibeperspektive gegeben ist".

Wie wichtig Sprachkenntnisse, die über das B1-Zertifikat hinausgehen, sind, ist daran zu erkennen, dass nach dem VHS-Integrationskurs noch niemand eine feste sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hatte (wir berichteten). Wenig überraschend daher, dass sich das Jobcenter Weiden-Neustadt laut Geschäftsführer Wolfgang Hohlmeier auf 400 bis 500 zusätzliche Hartz-IV-Empfänger aus dem Kreis der anwesenden und neu ankommenden Flüchtlinge einstellt. Bereits jetzt seien 84 Asylbewerber als erwerbsfähige Leistungsempfänger registriert.

Agentur für Arbeit und Jobcenter haben sich längst auf die notwendige Integrationsaufgaben vorbereitet. Mit Margot Salfetter und Eduard Neuendank wurden Koordinatoren für diese Aufgabe installiert. Noch überwiegt bei beiden allerdings die Vorbereitungsarbeit. Deshalb ist auch das Thema "Anerkennung ausländischer Abschlüsse in Deutschland" für sie noch sehr weit entfernt.
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