Leere Flasche füllt Vitrine

Dominik Seifert, einer der beiden Flaschen-Finder, übergibt die Bierflasche mit der Prägung "Graustern Weiden", einem Stern und dem Aufdruck "unverkäuflich" an Stadtarchivarin Petra Vorsatz. Bild: Baumgärtner

Es ist ein Sensationsfund, der es vom Wald ins Stadtarchiv geschafft hat. Rätsel ranken sich aber weiter um die wohl knapp 100 Jahre alte Bierflasche.

Die grüne Bierflasche ist so was von leer - und trotzdem reißen sich alle darum. Die Brauerei Gambrinus zum Beispiel. Der Bayerische Brauerbund aus München oder auch das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg. Allen Offerten zum Trotz übergaben die beiden Weidener Dominik Seifert (18) und sein 39-jähriger Bekannter die mutmaßlich knapp 100 Jahre alte Bierflasche mit dem Aufdruck "Graustern Weiden" und "unverkäuflich" am Donnerstag Petra Vorsatz vom Stadtarchiv. "Was soll eine Weidener Flasche auch in München oder Regensburg ?", fragen die Flaschen-Finder.

"Schön, dass Sie den Verlockungen der anderen Institutionen widerstanden haben", sagt die Stadtarchivarin zu den beiden Männern, die die historische und noch immer mit vielen Rätseln behaftete Flasche Mitte März in einem Waldstück ausgegraben haben (wir berichteten). "Einen Meter tief mussten wir mit meinem Klappspaten graben", erinnert sich Seifert. Das Werkzeug habe er beim "Sondeln" immer dabei. So heißt das Hobby, das er und sein Freund betreiben: Mit einem Metalldetektor stöbern sie auf, was in Oberpfälzer Böden schlummert.

Seit dem Flaschen-Fund im März tüfteln Wissenschaftler nun schon im Forschungszentrum Weihenstephan über dem Inhalt. "Wegen der Hefepilze liegt es nahe, dass da etwas bierhaltiges in der Flasche war", sagt Vorsatz. Weitere Erkenntnisse aber gebe es noch nicht. Dabei wartet Schafferhof-Chef Reinhard Fütterer bereits auf die Rezeptur, um das geheimnisvolle Bier nachzubrauen.

Die Stadtarchivarin dagegen interessiert sich besonders für die Frage, inwiefern die Mineralwasserfabrik Grau, die bis in die 50er Jahre in Weiden produzierte, mit der Flasche in Verbindung steht. Wann es etwas Neues gibt, steht aber in den Sternen. "Bislang ist also nur Spekulieren möglich - und das tut ein Archivar nicht gern."

Wenn es aber sein muss, vermutet Petra Vorsatz, dass Waldarbeiter irgendwann zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg die Flasche in dem Waldstück nahe der Max-Reger-Stadt vergraben haben, um sie kühl zu halten. Dort geriet sie wohl in Vergessenheit, bis die beiden Weidener nun mit ihrem Metalldetektor auf die noch zu einem Drittel gefüllte Flasche gestoßen sind.

Seifert und sein Freund sind übrigens schon wieder auf der Suche. "Wir durchforsten nun das ganze Waldstück weiter mit unserem Detektor. Vielleicht gibt es dort noch mehr dieser Flaschen." Vorsatz wünscht sich, dass sich eine besondere Flasche der Fabrik Grau findet: Sie schließt mit einer Glaskugel.

Bis der Waldboden - oder ein spendabler Bürger - die aber hergeben wird, muss Petra Vorsatz mit der Uralt-Bierflasche im Stadtarchiv vorlieb nehmen. "Sie wird in der Vitrine in der beliebten Abteilung Geschichte zu Wirtshäusern und Brauereien ihren Platz finden. Danke nochmal."

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Alle Artikel zur Bierflasche im Internet unter:

http://www.oberpfalznetz.de/bierflasche
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