Lehrprobe im Museum

Ihren Kunst-Unterricht verlegten die Sechstklässler des Kepler-Gymnasiums ins Keramikmuseum. Ein Experiment, das auch für den Lehrer persönlich vollauf glückte. Bild: hfz

Premiere im Keramikmuseum: Ein Referendar liefert einen Beitrag zur Lehrprobe. Für die Schüler war's extrem unterhaltsam. Und für den Junglehrer sehr erfolgreich.

Internationales Keramikmuseum - ein Ort, an dem Bildung zum sozialen Erlebnis wird. Unlängst trug sich eine Begebenheit zu, die es im Grunde kaum wert ist, erwähnt zu werden. Schließlich besuchen Millionen Menschen Museen weltweit, um Exponate zu betrachten, um sich an ihnen zu erfreuen oder vor ihnen zu erschaudern. Nun hielt sich die sechste Klasse des Kepler-Gymnasiums mit ihrem Kunstlehrer im Keramikmuseum auf. Auch das wäre nicht weiter erwähnenswert, wäre nicht der Anlass ein besonderer gewesen: Der angehende Pädagoge, ein Referendar für das Lehramt an bayerischen Gymnasien, beabsichtigte, sich dort einer offizielle Lehrprobe zu stellen.

Mehrfach hatten die Sechstklässler im Fach Kunst das Internationale Keramik-Museum besucht. Auf dem Stundenplan: Keramiken aus dem Peru der Vorinkazeit und die Bang-Chiang-Kultur aus Thailand, die als Weltkulturerbe international große Beachtung finden. Höhepunkt war jedoch die Unterrichtsstunde zur Griechischen Kunst, die in der Ausstellung "Antike Meisterwerke griechischer Vasenkunst" über die Bühne ging. Dafür wollte der Lehrer die gewohnte Umgebung des Unterrichtsraumes im "Kepler" aufgeben, um im Museum mit Schülern vor und mit originalen Kunstwerken neue Wege der Wissensaneignung zu beschreiten. 26 Jungen und Mädchen in der Rolle archäologischer Fachkräfte hatten dabei die Aufgabe, aus der Ferne mitgebrachte Fundstücke zu platzieren, restauratorische Maßnahmen zu besprechen und durchzuführen.

Riskantes Unterfangen

Im Vordergrund stand dabei nicht der Erwerb und das Abprüfen von Wissen Einzelner, sondern das gemeinsame Erlebnis aller. Lehrer und Schüler, in Gruppen interagierend, konnten fachliche Kompetenz spielerisch anwenden. Das war aus verschiedenen Gründen ein riskantes Unterfangen. Bemerkenswert, dass das Keramikmuseum durch die vorgezogenen Öffnungszeiten und das großzügige Angebot zur Nutzung der Räumlichkeiten und der in den Vitrinen hervorragend zur Schau gestellten Exponate es ermöglichte, das "Lernen zum Erlebnis, Bildung zum sozialen Ereignis" zu machen.

Die betagte Bildungsanstalt Museum mit all ihren Vorschriften habe sich in ein Haus gewandelt, "wo der fließende Übergang zwischen Kunstbegegnung und Sozialkontakt, Seherfahrung und Raumerfahrung, Anschauung und Körpererlebnis" möglich werde, lobte die Schule. Dank galt der Leiterin des Museums, Stefanie Dietz, ihren Mitarbeitern sowie der Stadt. Bliebe noch zu erwähnen, dass der Referendar die Lehrprobe mit sehr großem Erfolg absolvierte.
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