Lernen mit allen Sinnen

Der in Fachkreisen bekannte Montessori-Pädagoge Claus-Dieter Kaul zeigte auf Einladung der Weidener Montessori-Schule - vertreten durch Gerda Högl-Siegler - die wichtigsten Aspekte dieser Art der Pädagogik auf. Bild: sbü

"Nachhaltiges Lernen ist mit authentischer Sinnes- und Bewegungserfahrung verbunden", sagt der Montessori-Pädagoge Claus-Dieter Kaul. So sei ein erheblich höherer Lernerfolg zu erzielen. Die Montessori-Pädagogik geht vom biologisch geprägten Wesen des Kindes aus.

Weiden. (sbü) Die wenigsten Menschen wissen genau, was unter dem Begriff Montessori-Pädagogik zu verstehen ist. Es gebe sehr viele Vorurteile, sagen die Initiatoren der Weidener Montessori-Tage. Fast alle, die sich vertieft damit befassen, seien begeistert.

Der große Hörsaal der OTH in Weiden war bei der Veranstaltung mit Claus-Dieter Kaul voll besetzt. Die Erziehungslehre von Maria Montessori, einer italienischen Ärztin und Reformpädagogin, aufgestellt zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, war Thema des sehr kurzweiligen Vortrags. Veranstalter der Weidener Montessori-Tage ist die Montessori-Schule Weiden.

Kaul stellte eine Pädagogik vor, die sich von den in den Regelschulen praktizierten Verfahren stark unterscheidet. "Maria Montessori kannte als Ärztin die Anatomie eines Menschen", schilderte Kaul die Ausgangssituation. Sie hätte erkannt, dass Kinder am besten über die Sinne, über die mit dem Verstand verarbeitete Erfahrung und über Bewegung lernen würden. Diese sogenannte "kosmische Erziehung" entspreche dem Bedürfnis von Kindern, weil diese vor allem über große Zusammenhängen angesprochen werden könnten.

Vernetztes Denken

Nicht das Auswendiglernen von Fakten sichere einen nachhaltigen Lernerfolg, sondern das "vernetzte Arbeiten und das Denken in Prozessen", sagte Kaul. Alle Disziplinen seien miteinander verbunden, zum Beispiel auch die Sprache mit der Mathematik. Der Pädagoge müsse sich immer wieder fragen: "Wie entsteht eine so gute Beziehung zu den Kindern, dass diese bereit sind zu lernen?". Auf diesen Grundlagen sei die Montessori-Pädagogik entwickelt und in den Modellschulen angewendet worden.

Kaul gab seinen Zuhörern am Abend auch zahlreiche Kostproben seiner Lernverfahren. In einem seiner Beispiele zeigte er, dass den Wörtern eines Satzes immer auch Symbole der jeweiligen Wortarten wie Hauptwort, Zeitwort oder Verhältniswort zugeordnet werden können. So würden der Satzbau und Satzbau-Veränderungen viel besser verstanden. In einem anderen Beispiel aus der Mathematik werden binomische oder trinomische Formeln mit Holzklötzen für Kinder anschaulich gemacht. "Vernetztes Arbeiten und nicht in einzelnen Schulfächern denken", das ist laut Kaul der erheblich bessere Weg zum Lernerfolg.

Deshalb sei der Schulbetrieb in Montessori-Schulen anders organisiert als in Regelschulen. Zunächst gelte es, "mit den Kindern respektvoll auf einer Ebene umzugehen, aber immer die Rolle des Lehrenden zu behalten". Doch sei dies nicht mit der "Laissez-Faire-Methode" zu verwechseln. "Grenzen setzen, Nein sagen, aber aus Liebe zum Kind", sei angesagt. "Wenn man Kinder mit Liebe berührt, dann werden sie neugierig", sagte der Pädagoge.

Und Kinder müssten auch den Freiraum haben, sich selbst zu organisieren und ihre Konflikte zu lösen. "Gegenseitig voneinander und miteinander lernen", lautet ein weiterer Leitsatz aus der Montessori-Pädagogik. Jedes Kind soll auf seine Kosten kommen, denn "wir überlassen die Entscheidung dem Kind". Dabei würden auch gemischte Gruppen mit differenziertem Lernangebot gebildet. Jedes Kind könne so individuell, seiner Entwicklungsstufe entsprechend, gefördert werden.

"Mit Frontalunterricht und dem schnellen 1x1-Lernen hat das alles nichts zu tun", sagte Kaul. Sinneserfahrung sei besser als Auswendiglernen und: "Das Seelische ist genauso wichtig wie das Intellektuelle." Kopf, Herz und Hände müssten gleichzeitig angesprochen werden.
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