Lesung soll zeigen, wie Sinn in psychotischer Erkrankung gefunden werden kann
"Krankheit kann auch bereichern"

Betroffene wie Klaus Nuißl (von links) berichten in der ehemaligen Kirche St. Augustin, wie es ihnen gelang, Sinn in ihrer psychotischen Erkrankung zu finden. Bei der Vorstellung der Lesung mit dabei: Berthold Kellner und Thomas Fehr von der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Nordoberpfalz und Jörg Pöschl vom Sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas. Bild: Steinbacher

Sinn finden in einer psychischen Erkrankung? Dass das nicht abwegig ist, soll eine Lesung am 11. Dezember zeigen. Bestes Beispiel ist einer der Referenten, der nach einer Psychose einen ungewöhnlichen Lebensweg einschlug.

Es klingt erst einmal paradox: "Die Krankheit ist auch etwas, das ein Leben bereichern kann." Klaus Nuißl meint damit eine psychotische Erkrankung, Schizophrenie, die bei ihm mit 19 Jahren zum ersten Mal auftrat. Ihm ist es tatsächlich gelungen, einen Sinn daraus zu ziehen. Er studierte in der Folge Psychologie. In seiner Arbeit heute, sagt er, hilft ihm seine eigene Erfahrung, solche Erkrankungen "leichter nachzuvollziehen". Über die erfolgreiche Suche nach Positivem werden er und drei weitere Betroffene auch am Donnerstag, 11. Dezember, ab 19 Uhr in der ehemaligen Kirche St. Augustin berichten.

Die vier haben Kapitel für das Buch "Der Sinn meiner Psychose" geschrieben. In dem Sammelband berichten 20 Autoren, wie sie der Schizophrenie auch positive Seiten abgewinnen konnten. Wie sie das Ganze beispielsweise als Anstoß sahen, sich mit ihrem Leben auseinanderzusetzen, es von da an zu anders zu führen. Wohlgemerkt, es gehe nicht darum, die Krankheit zu verklären, erklärt Diplom-Psychologe Nuißl. "Aber viele würden davon profitieren, wenn sie einen anderen Umgang damit finden." Wenn sie lernten, dass man sehr wohl auch wieder gut ins Leben zurückfinden könne.

Umdenken bei psychischen Erkrankungen - darum geht es auch den Veranstaltern von der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Nordoberpfalz. Die Lesung, in deren Anschluss es auch noch eine Gesprächsrunde geben wird, solle zum einen zeigen, dass das Leben mit so einer Erkrankung nicht vorbei sein müsse, wie das viele glaubten, sagt PSAG-Vorsitzender Thomas Fehr. Das sei wie etwa bei einem Rückenleiden - da glaube doch auch keiner, dass das Leben nicht mehr weitergehe. Zum anderen solle die Veranstaltung, die nicht nur Psychosen, sondern alle psychischen Erkrankungen umfasse, helfen, Vorurteile gegenüber Betroffenen abzubauen. "Es ist nicht zu unterschätzen, wie stark die Stigmatisierung immer noch ist, wie groß das Unwissen."

Das merkte auch die PSAG selbst bei der Suche nach einem Veranstaltungsort. Das sei wegen Vorurteilen schwer gewesen, berichtet stellvertretender Vorsitzender Berthold Kellner. Erst das Klinikum, das St. Augustin schließlich zur Verfügung stellte, sei da offen gewesen. Das ist auch nur folgerichtig. Schon allein, weil es längst nicht um ein Randphänomen geht. Nach Schätzungen tritt bei jedem 20. in seinem Leben mindestens einmal eine psychische Erkrankung im weitesten Sinn auf.

Die Veranstaltung unter dem Titel "Sinnvoll leben mit einer psychischen Erkrankung" richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern an die breite Bevölkerung. Der Eintritt ist frei, Spenden erwünscht. Die musikalische Begleitung übernimmt Akkordeon-Spieler Jonas Lindner von der Franz-Grothe-Schule.
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