Leuchtturm für Landwirtschaft

Auf dem Dach der Biogasanlage erläutert Helmut Konrad (rechts), Leiter des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrums Almesbach, den Mitgliedern des ETZ-Netzwerks,die Vorteile der Energieerzeugung aus Gülle und Reststoffen. Bild: sbü

Hoffnung vom Hof: Dass die Energiewende auch in der Landwirtschaft funktionieren kann, zeigt ein Beispiel am Stadtrand - das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum Almesbach. Davon überzeugte sich eine Delegation des Energietechnologischen Zentrums Nordoberpfalz (ETZ).

(sbü) Hinter den Begriffen Wärme und Strom machte Helmut Konrad einen großen Haken: "Autarkie erreicht." Nur beim Kraftstoff für die landwirtschaftlichen Fahrzeuge gibt es noch Nachholbedarf, erklärte der Leiter von Almesbach bei seinem Vortrag vor Mitgliedern des ETZ-Netzwerks. Doch auch dort sollen demnächst "40 Prozent aus regenerativer Energie" erreicht sein.

Derzeit liege der Anteil regenerativer Energie am gesamten Energieverbrauch im Zentrum bei 65,6 Prozent, so Konrad weiter. Dass die erzeugte regenerative Energie "ressourcenschonend aus Reststoffen" stammt, erklärte er ebenfalls. Erst vor Kurzem hatte Konrad für solche Fortschritte aus dem Munde des bayerischen Landwirtschaftsministers Helmut Brunner großes Lob bekommen (wir berichteten).

Im Energiekonzept des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrums stehen ganz oben Wärme und Heizung. Schließlich müssen auch Lehranstalt, Landbauschule, Fortbildungszentrum und das gesamte Versuchs- und Fachzentrum beheizt werden. Wärme macht6 die Hälfte des Gesamtenergiebedarfs aus. Zur Erzeugung arbeitet eine Hackschnitzelanlage, die jährlich rund 900 Schüttraummeter Hackschnitzel verbrennt. Zum Vergleich: Zuvor wurden dafür 65 000 Liter Heizöl benötigt.

Kaum Asche

In den Heizungsräumen zeigte Konrad seinen Besuchern stolz einen Aschebehälter - einen kleinen: "Die Anlage produziert weniger als ein Prozent Asche." Ursprünglich sei anstatt der Hackschnitzelanlage ein Getreideofen erprobt worden. Dieser habe sich aber nicht bewährt. "So haben wir viele Landwirte von einer Fehlinvestition abhalten können."

Strom produzieren im Fachzentrum Photovoltaik-Anlagen. Bei einem Verbrauch von jährlich 250 000 Kilowatt-Stunden würden etwa 80 Prozent des Bedarfs regenerativ über Photovoltaik gewonnen, erläuterte Konrad. Den Restbedarf decke die im Jahr 2014 fertiggestellte Biogasanlage. "Gülle und Mist bilden 90 Prozent des Inputs, dazu kommen noch Mais- und Futterreste." Über den Generator der Anlage werden dann jährlich mehr als 600 000 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt. Insgesamt würden damit im Fachzentrum aus regenerativen Energien über 260 Prozent des Eigenbedarfs an Strom produziert. Der Überschuss wird ins Netz eingespeist. Die Biogasanlage ermögliche zu jedem Zeitpunkt Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz.

Wasser? Keine Chance

Konrad zeigte auch die Blei-Akkus und Lithium-Ionen-Speicher. Mit 90 kWh Speichervermögen sollen diese Spitzen in der Stromerzeugung aus Photovoltaik abfangen. Auch für die Zukunft gebe es noch einige Ideen. Nur bei Wasserkraft winkte er ab: "Der Almesbach hat kein Wasser mehr."
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