"Liebe auf den ersten Blick" hält

Mehr als 220 Kilometer und über 2000 Höhenmeter steckten noch in den Waden der Radfahrer, die zum Städtepartnerschaftsjubiläum am Donnerstag in Weiden starteten und in drei Tragen nach Annaberg-Buchholz tourten. Bürgermeister Lothar Höher empfing sie auf dem Marktplatz.

Die Partner pflegen die leisen und damit umso herzlichere Töne. Und sie tauschen gern die Rolle von Gast und Gastgeber - seit nunmehr 25 Jahren. Dennoch beginnen die Festtage zum Partnerschaftsjubiläum in Annaberg-Buchholz ohrenbetäubend.

Die Feldschlange des "Fähnlein zu der Weyden" brüllt auf. Die Salven, abgefeuert am Unteren Kirchplatz, künden vom "silbernen Ehejubiläum" zweier Städte, die sich schon vor der offiziellen deutschen Einheit gefunden hatten. Und damit sind die über 100 Gäste aus Weiden und die Bürger aus Annaberg-Buchholz schon mitten drin im Jubiläumswochenende, das mit der langen Museumsnacht am Freitagabend beginnt und mit dem ökumenischen Erntedankgottesdienst am Sonntagvormittag in der domartigen Kirche St. Annen endet.

Dazwischen liegt die Vorstellung der beiden Schützenvereine: Die Weidener Feuerschützen und die Annaberger Privilegierten Freischützen sind (wie viele andere Vereine und Verbände, Kirchengemeinden und Handwerker) Träger der Partnerschaft. Die Frohnauer Hammer-Schmiede erhitzen auf dem Marktplatz die beiden eisernen "Eheringe", fügen sie ineinander. Einer der Höhepunkte ist die Eröffnung der beiden OKV-Kunstausstellungen und des Weidener Platzes An der Buchholzer Straße stand einst die Statue des Annaberger Stadtgründers. Gegenüber liegt das neue Parkdeck, 300 Meter entfernt der Bahnhof.

Schon vor der Wende

Oberbürgermeister Rolf Schmidt erinnert beim Festabend im Eduard-von-Winterstein-Theater an die Winterreise von OB Hans Schröpf, der sich 1989 auf Brautschau in den Osten begab und Annaberg-Buchholz entdeckte. "Es war Liebe auf den ersten Blick." Noch vor der offiziellen deutschen Einheit unterzeichneten Schröpf und Bürgermeister Erich Fritsch am 8. September 1990 den Partnerschaftsvertrag.

Die Beziehungen haben sich längst vertieft, sind zur Selbstverständlichkeit geworden, getragen nicht nur von den Kommunen, sondern vor allem von den Bürgern, den Vereinen, Organisationen. "Partnerschaft heißt, sich füreinander zu interessieren, gleiche Lebensziele und Wertvorstellungen zu haben", erklärt der Annaberg-Buchholzer OB Schmidt. Nicht die Sparzwänge, mit dem beide Städte kämpfen, stehen hier ganz vorne. Als besondere Herausforderung, die Weiden und Annaberg-Buchholz noch lange begleiten wird, rückt Schmidt die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge in den Fokus. "Wir müssen, ob wir wollen oder nicht, uns dieser Aufgabe stellen. Dass wir Berge versetzen können, haben wir schon einmal bewiesen - nämlich 1989."

Eine erfolgreiche Partnerschaft könne nur gelingen, wenn die Menschen auf beiden Seiten sie wollen, unterstrich Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. "Beschlüsse von Politikern sind gut und schön, aber die Normalbürger müssen sich einander nahe genug fühlen, um sich einen gemeinsamen Weg vorstellen zu können." Die Partnerschaft zwischen Weiden und Annaberg-Buchholz sei ein Glücksfall, der inzwischen über ein Viertel Jahrhundert andauere. Das 25. Jubiläum stehe für erfolgreiche Begegnungen in Europa und dafür, wie Freundschaften helfen, Grenzen zu überwinden. "1990 haben wir die Trennung Deutschlands endgültig hinter uns gebracht. Bei allem, was danach geschah, bleibt die friedliche und mutig erkämpfte Einheit ein Segen für unser Land."

Die Botschaft am Jubiläumstag, zugleich am Tag der deutschen Einheit heiße: "Wir haben uns auch die nächsten 25 Jahren viel zu sagen und wir haben es erlebt, dass wir im gegenseitigen Austausch weiterkommen und auf vielen Ebenen zusammenarbeiten können."

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Dazu Bildergalerie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/annaberg-buchholz
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