Literaturtage als Biennale?

Nein, ein Kommentar zum gekürzten Etat der Literaturtage ist diese Geste des inzwischen verstorbenen Dieter Hildebrandt bei einem Auftritt 2013 nicht. An den Kopf fassen werden sich aber sicher einige Kulturfreunde, wenn die Veranstaltung künftig nur noch alle zwei Jahre läuft. Archivbild: Karin Wilck

Die Finanznöte der Stadt lassen sich auch an den Literaturtagen 2015 ablesen: keine Eröffnungsausstellung, drei Tage weniger Programm. Im kommenden Jahr könnten sie sogar ganz ausfallen, dafür aber 2017 wieder in gewohnter Größe zurückkehren.

Die Literaturtage stehen vor einem großen Umbruch: Das zumindest sieht ein Vorschlag der Verwaltung vor, über den der Finanzausschuss am Dienstag, 3. März, beraten soll. Demnach sollen sie künftig in zwei- statt einjährigem Rhythmus stattfinden, dabei aber wieder mehr finanziellen Spielraum haben.

Die Idee kommt ursprünglich von Organisatorin Sabine Guhl und ist eine Reaktion auf die Haushaltsklausur der Fraktionen in Waldsassen. Diese hatten dort die Forderung formuliert, dass die Veranstaltung ihr Defizit um 25 Prozent zu verringern habe. Ursprünglich war das Defizit auf 20 000 Euro begrenzt. Für 2015 wurde es auf 12.000 Euro abgesenkt.

Das aber "geht erheblich an die Substanz, da kann man das Niveau nicht mehr halten", erklärt Personaldezernent Reiner Leibl, der den Vorschlag an den Finanzausschuss mit den Organisatoren abgestimmt hat. Insbesondere verlören die Literaturtage so ihren Festivalcharakter, den vor allem die Dauer und die Wochenendveranstaltungen ausmachten. Das zeige sich heuer - hier sei nur mehr ein Wochenende drin. Heißt umgekehrt: Lieber ein größeres Festival alle zwei Jahre. Die Verwaltung schlägt deshalb den neuen Rhythmus und gleichzeitig eine Rückkehr zum Defizit von 20.000 Euro vor.

Leibl betont, dass die Veranstaltung ihren finanziellen Spielraum in den vergangenen Jahren gar nicht ausgeschöpft habe. Im Schnitt habe das Defizit 15.000 Euro betragen. Trotzdem sei ein Puffer wichtig, weil es zum einen immer schwerer werde, Sponsoren zu finden. Zum anderen ließen sich nur so auch sehr prominente Künstler engagieren, weil man dabei immer ein finanzielles Risiko einkalkulieren müsse.

Wie der Finanzausschuss zu dem Vorschlag steht, ist noch offen. Die Beratungen der Fraktionen dazu stehen noch aus - darauf verweisen alle vier Vorsitzenden. Trotzdem sei er nicht prinzipiell abgeneigt, sagt Roland Richter (SPD). Zwar sei er überrascht von dem Vorschlag, "aber das könnte ein Weg sein". Die SPD habe ohnehin schon einmal vorgeschlagen, Literatur- und Max-Reger-Tage in jährlichem Wechsel zu veranstalten. Wichtig sei vor allem eines: "Eine Einsparung muss es geben."

CSU-Mann Wolfgang Pausch erklärt, er könne sich einen jährlichen Wechsel ebenfalls vorstellen. Wie er sich letztlich positionieren werde, sei noch offen. Zumindest stehe er aber hinter der Idee, dass die Literaturtage ihren Festivalcharakter behalten müssen. Die Bürgerliste dagegen will zu dem Vorschlag noch keine Stellung beziehen. Man werde das in der Fraktionssitzung besprechen, sagt Dr. Christian Deglmann. Ähnliches gilt auch für die Grünen, wie Karl Bärnklau erläutert. Eine persönliche Tendenz lässt er allerdings schon erkennen: "Ich könnte mich damit anfreunden."
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.