Lizzy Aumeier begeistert volles Haus der evangelischen Gemeinde mit Gags, Kalauern und Zoten
Superlizzy statt Supermodel

Ihr Körper ist ihr Kapital. Und jeden Witz, der darüber gemacht werden könnte, hat sie bereits selbst gemacht: Lissy Aumeier begeisterte das Publikum als Superlizzy mit deftigem Humor. Dabei bekam auch der eine oder andere Herr in der vordersten Reihe sein Fett ab. Bild: Otto
Weiden. (otj) Lizzy Aumeiers Körper ist ihr Kapital, sagt sie selber. Sie steht zu ihrer "Doppel-Achsel" oder anderen Rundungen. So wird sie zwar nicht zum Supermodel. Angetan mit Dirndl und Cape begeisterte sie im Haus der evangelischen Gemeinde aber als "Superlizzy".

Lizzy Aumeier legt zum Auftakt hinter der Bühne erst einmal eine Bruchlandung hin. Fluchend und schimpfend kommt sie auf die Bühne. Humpelnd, offenbar frisch aus der Reha und gerade dem Rollstuhl entkommen. "Für Kannibalen wäre ich Essen auf Rädern gewesen." Was das Outfit angeht, da setzt die Komikerin wie gewohnt auf brachiale Grenzwertigkeit: Erahnbar angetan mit einem blauen Catsuit und rotem Cape. Darüber ein lachsfarbenes Dirndl - Superlizzy ist optisch und verbal wie immer absolut schmerzbefreit.

Diese Frau schenkt sich nichts. Da wird nichts geschönt, nichts kaschiert. Jeden Witz, den schlankere Zeitgenossen über sie machen könnten, hat sie schon selber gemacht. Weggepustet. In gewisser Weise sind das tatsächlich Superkräfte.

Verhungerte Blondine

Empfindlich dürfen auch die Herren in der ersten Reihe nicht sein. Wer nicht rechtzeitig den Kopf einzieht, läuft Gefahr, die restlichen 90 Minuten als Gesprächspartner in den nicht frei gewählten Mittelpunkt zu rücken. "Wer ist denn die verhungerte Blondine neben dir?" Matthias trägt es tapfer: "Meine Frau." Genauso wie ein Mittelfranke aus Hersbruck, der sich im Publikum findet. Beruf: verheiratet. Die Bewohner des nordbayerischen Landstrichs seien ja nicht so offen. "In Nürnberg heißt herzlich willkommen: Da därrfens fei net barken."

Sich selbst stellt Lizzy Aumeier als die Verflossene von Superman vor. Eine große Liebe, bis sie ihren Helden mit "diesem Supergirl" erwischt habe - in flagranti. "Wenn du als Frau a bisserl lockerer redst, dann bist ordinär. Wenn du als Mann deine Frau bescheißt und einer anderen ein Kind machst, dann wirst du Ministerpräsident." Trotz dieser Spitze gen München macht Lizzy Aumeier kein politisches Kabarett. Wertfreie Gags, Pointen und Zoten werden nur ab und an unterbrochen durch aktuelle Kommentare. Da bekommen mal der Orban und Pegida ihr fett weg. Und mal in Reimen der Pontifex: "Was der Papst so gar nicht mag: Glückwünsche zum Vatertag." Verschont werden auch nicht die "Ernährungsdeppen". Gemeint sind die Vegetarier, Veganer, Fruktarier "und die Nudisten, die essen nur nackt."

Zoten nach Noten

Ein Highlight des Abends ist ihre Interpretation von "Wenn ich ein Vöglein wär". Natürlich nicht ganz normal gesungen, sondern szenisch und musikalisch dargestellt. Assistenz holt sie sich dafür aus der ersten Reihe. Es trifft den armen Berthold, der sich allerdings mit Napoleon-Hut als Entertainment-Talent darstellt. Das Ergebnis: Zoten nach Noten eben.

Aber so ist das eben bei Superlizzy: Das feine Florett war noch nie das Alleinstellungsmerkmal der Aumeier. Eher die Streitaxt. Körperliche Makel, Sex und Derbheiten aller Art sind eher ihr Fach. Das muss man wissen. Und wer sich als Mann in die erste Reihe setzt, ist uninformiert. Und selber schuld.
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