Lobende Worte, aber keine Taten für Finanzamt - Sorge um Zukunft des Service-Centers
Nein zu "Ausbildungs-Dividende"

Ausgerechnet an den Münchenern, die am meisten von unserer Ausbildung profitieren, haben wir uns die Zähne ausgebissen.
Weiden. (cf) Bayernweit gilt das Finanzamt Weiden als eine Art "Kaderschmiede" wegen der hohen Qualität bei der Ausbildung des Beamten-Nachwuchses. Auf 170 Mitarbeiter kommen 50 Anwärter aus dem gesamten Freistaat, Nichts weiter als "einen fairen Ausgleich für die Belastungen durch die Ausbildung" fordert seit Jahren - vergeblich - Leopold Seibold, der am Montag in Ruhestand trat (wir berichteten).

Beim Festakt in der Max-Reger-Halle fand der langjährige Chef des Weidener Finanzamts scharfe Worte in Richtung Oberbayern. "Ausgerechnet an den Münchenern, die am meisten von unserer Ausbildung profitieren, haben wir uns die Zähne ausgebissen", sagte Seibold mit Blick auf eine "Ausbildungs-Dividende". Die Oberbayern würden hier frei nach dem Motto "Wir sind die Mehreren und die Schwereren" verfahren. Unterstützung erhielt Seibold von Personalratsvorsitzendem Konrad Adam. "Wir Oberpfälzer bleiben hier dran", forderte er eine "Anerkennung von Ausbildungsleistungen".

Über den grünen Klee hatte zuvor Finanzstaatssekretär Albert Füracker Weiden als ein "Paradebeispiel für hervorragende Ausbildung" gelobt. "Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft", betonte Füracker. Zum Umstand, dass nun den Weidenern die erhoffte "Ausbildungs-Dividende" vorenthalten wird, äußerte sich der Politiker eher unverbindlich. Man könne an der Empfehlung der entsprechenden Arbeitsgruppe (die von München dominiert wird, Anm. d. Red.) nicht einfach vorbei gehen.

Beratung nur online

Seibold, für seine mutige Offenheit geschätzt (und gefürchtet), schnitt bei seiner Verabschiedung ein weiteres brisantes Thema an: die Zukunft des Service-Centers. Die bei Steuerpflichtigen sehr beliebte Einrichtung - erst vor wenigen Jahren als Pilotprojekt für Nordbayern geschaffen - "steht einer umfassenden Digitalisierung im Weg". Da nach den Vorstellungen des Finanzministeriums die steuerpflichtigen Bürger künftig nicht mehr persönlich im Finanzamt vorsprechen und alle Anliegen online erledigen sollen, befürchtet Seibold bald "erhebliche Einschränkungen" beim Service-Center.

"Wir sind für die Bürger da - nicht umgekehrt", verwies der ehemalige Finanzamtschef vor allem auf die Hilfestellungen für Senioren bei der Rentenbesteuerung, für Berufseinsteiger und für Ausländer.
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