Lothar Höher: Arbeit des AK Asyl sehr wichtig - Jost Hess: Sprache ist Schlüssel zur Integration
"Noch nie war er so wertvoll wie heute"

Jost Hess. Bild: Götz
Weiden. (ps) Bürgermeister Lothar Höher outete sich als gelernter Marketingkaufmann: "Noch nie war er so wertvoll wie heute." Mit diesem Zitat eines Werbespruchs kommentierte er die Ausführungen von Jost Hess im Jugendhilfebeirat über Ziele und Arbeitsweise der Hausaufgabenbetreuung des AK Asyl. "Ihr Know-how und ihre Logistik sind für uns ganz wichtig." Nicht nur wegen des aktuellen Flüchtlingszustroms, sondern auch wegen der Hilfe, die der AK Asyl bereits seit Jahren vielen Kindern mit Migrationshintergrund gewährt.

Hoher Migrationsanteil

Wie wichtig die Akzeptanz und Integration von Menschen mit Migrationshintergrund sind, belegte Höher mit folgenden Zahlen: "Immerhin 20 Prozent der Weidener Bürger haben einen Migrationshintergrund. Wenn wir sie nicht hätten, wäre die Stadt schon unter die 40 000-Einwohner-Grenze gefallen." Grund zur Besorgnis sah Jost Hess angesichts der Flüchtlingszahlen nicht. Im Gegenteil: "Ich denke, dass wir in Weiden, weiß Gott, die Möglichkeit haben, auch noch mit mehr Flüchtlingen zu leben. Wir werden unser Hilfsangebot in Zukunft noch ausbauen müssen." Doch davor ist ihm nicht bange. Der AK Asyl hat engagierte Helfer, und die Erfolge zeigen, dass sich der Einsatz lohnt: Im Gegensatz zum Bundestrend hat der AK Asyl immer mehr Migrantenkinder, die weiterführende Schulen besuchen. Beispiel gefällig? Jost Hess: "Wir haben zurzeit zwei junge Frauen, die nach nur zwei Jahren in Deutschland das Gymnasium besuchen und hier Noten zwischen zwei und vier heimbringen."

Das bestätigt eine Erfahrung, die die Hausaufgabenbetreuung des AK Asyl in den 30 Jahren ihres Bestehens immer wieder gemacht hat. "Kinder lernen erfreulich schnell." 250 Flüchtlings- und Migrantenkinder aus 18 verschiedenen Ländern werden derzeit vom AK Asyl betreut. "Sie haben unterschiedliche Religion, Sprache, Hintergrund. Trotzdem werden sie bei uns in der Regel ihrem Alter entsprechend eingeschult." So komme ein 13-jähriger Junge beispielsweise in die siebte Klasse. "Da rauscht alles an seinen Ohren vorbei." Deshalb müssten die Kinder schnell Deutsch lernen. "Sprache ist der Schlüssel zur Integration."

Beim AK Asyl werden Kinder und Jugendliche in 16 Jahrgangsstufen von jeweils einer leitenden Kraft und ein bis zwei festen Mitarbeitern betreut. Ziel sei es, für jeweils fünf Kinder eine Betreuungskraft zu haben. Dazu tragen 25 ehrenamtliche Mitarbeiter bei: "Von der Gymnasiastin bis zur Lese-Oma. Leider haben wir keinen Lese-Opa." Denn gerade Kinder aus dem Iran und benachbarten Ländern hätten eine besondere Hochachtung vor älteren Menschen.

Damit die Kinder möglichst schnell Deutsch lernen, gibt es zwei Sprachlerngruppen. Hess: "Ich bin sicher: zum Ende des Schuljahres sind wir so weit, dass die Kinder im nächsten Schuljahr von der Sprache her in ihren Klassen mitmachen können."
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