Luchs und Wolf in Bayern: Risiken und Prävention in der landwirtschaftlichen Gehegewildhaltung

Luchse seien in Ostbayern, Böhmen und Österreich keine Seltenheit mehr, betonte Manfred Wölfl, Wildtiermanager im Bayerischen Landesamt für Umwelt. Durch sein einzigartiges Fleckenmuster könne jeder Luchs identifiziert werden: Man gehe grenzüberschreitend von derzeit 60 bis 80 selbstständigen Tieren aus. Das Aussterberisiko sei dennoch hoch.

Für Nutztiere ist der Luchs laut Wölfl keine große Gefahr. Probleme könne es aber mit dem Wolf bei der Schafhaltung geben, vor allem in ungeschützten Herden. In Nord- und Ostdeutschland seien gut 30 Wolfsrudel gezählt worden, etwa 40 im Alpenraum. Bayern gelte aktuell aber als "Wolf-frei". Dass einige Risse im Alpenvorland dem Wolf zugeordnet und im Freistaat einzelne Tiere fotografiert worden seien, liege daran, dass halbwüchsige Tiere auf der Suche nach einem eigenen Revier bis zu 1000 Kilometer wandern und Einzelgänger in einer Nacht mehr als 50 Kilometer durch die Wälder streifen.

Schäden durch Luchs oder Wolf an Nutztieren reguliert in Bayern ein Ausgleichsfonds. Voraussetzung dafür sei eine Dokumentation durch das Netzwerk große Beutegreifer, mit gut 150 Mitglieder in ganz Bayern. Über Polizei, Forstverwaltung oder Landwirtschaftsämter können die Netzwerker für eine Erstdokumentation angefordert werden. Diese sprechen einen Verdacht aus, falls es Hinweise auf Luchs, Wolf oder gar Bär als Verursacher gibt.

Die detaillierte Feststellung der Todesursache mit Abhäutung des Tierkörpers ist danach Angelegenheit der Amtstierärzte. Wenn dann ein großer Beutegreifer als Verursacher feststehe, werde der Schaden durch die Trägergemeinschaft (Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, WWF und Wildland-Stiftung Bayern) zügig reguliert.

Zur Prävention empfahl Wölfl dichte Zäune, eventuell mit Elektrifizierung oder Untergrabschutz. Da der Luchs ein ausgezeichneter Kletterer sei, sollte man ihm dazu keine Möglichkeit bieten und Holz- durch Metallpfosten ersetzt werden. Durchaus wehrhafte Esel oder große Schutzhunde könnten ebenfalls für den Herdenschutz eingesetzt werden, denn selbst der Wolf gehe kaum ein Verletzungsrisiko durch ebenbürtige Schutztiere ein.

Bei der Neuplanung von Gehegen stehen die Landwirtschaftsämter oder das Landesamt für Umwelt beratend zur Verfügung. (gfr)
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