Magen unter die Lupe nehmen

Wer Prof. Dr. Frank Kullmann nicht gehört hat, hat eine für Laien verständliche medizinische Lehrstunde über Magenkrebsbehandlungen versäumt. Bild: sbü

Magenkrebs ist heilbar, doch gelingt dies noch zu selten. Bei anderen Krebsarten sind die Heilungschancen höher. Für die medizinische Wissenschaft gibt es deswegen noch viel zu tun. Und bei der Früherkennung besteht noch großer Nachholbedarf.

Weiden. (sbü) Begeistert und erschrocken zugleich waren die Besucher des 5. Vortrags der Reihe "Medizin damals und heute" am Weidener Klinikum. Das Thema lautete "Behandlung des Magenkarzinoms - damals und heute". Die Begeisterung und Bewunderung galt dem Mediziner Professor Dr. Frank Kullmann, der komplizierte medizinische und wissenschaftliche Sachverhalte hochkompetent und absolut verständlich für den Laien vortrug.

Hohe Sterberate

Betroffenheit kam allerdings bei den Botschaften auf, die der Chefarzt der Weidener Medizinischen Klinik I vermittelt hat. Vielleicht auch weil alles so verständlich war, gingen so manche besorgt nach Hause. Vor allem weil sie hörten, dass noch immer mehr als die Hälfte der an Magenkrebs erkrankten Patienten ihre Krankheit nicht überwinden und sterben müssen. Und weil Deutschland im Vergleich zu den meisten anderen Ländern in Europa und den USA bei Magenkrebs eine besonders hohe Sterberate aufweist.

Sorgen kommen auch auf, weil Magenkrebs in vielen unterschiedlichen Formen auftritt und der Patient häufig erst sehr spät Anzeichen dafür erkennen kann. In Deutschland würde die Vorsorgeuntersuchung in Form der Magenspiegelung deutlich seltener genutzt als zum Beispiel in Japan, berichtet Prof. Kullmann. Deshalb können hier Operationen, bei denen die Krebszellen komplett aus dem ganzen Körper entfernt werden, seltener durchgeführt werden.

Prof. Kullmann bot eine echte medizinische Lehrstunde. Mit kurzen Videos machte er das meiste anschaulich. Wichtig sei "die TNM-Klassifikation" bei diagnostiziertem Magenkrebs. Von ihr hänge die weitere Behandlung entscheidend ab. Diese Werte zeigen auf "wie tief der Tumor schon in die Magenwand eingedrungen" sei oder sogar schon darüber hinaus im Körper Metastasen gebildet habe. Je kleiner, desto leichter sei das Geschwür zu entfernen. Zum Beispiel endoskopisch oder "minimal-invasiv" im T1-Stadium.

Professor Kullmann zeigte im Film, wie ein solches Krebsgeschwür mit einer Schlinge herausgeschnitten wird. Dabei brauche der Patient meistens keine Vollnarkose, sagte Prof. Kullmann. Sei jedoch der Krebs schon durch die Magenwand gewachsen "könne nur eventuell operiert werden". Manchmal müsse der gesamte Magen entfernt und die Speiseröhre direkt mit dem Dünndarm verbunden werden. Sei das Geschwür zu groß, käme zunächst erst die Chemotherapie in Betracht. Damit solle der Krebs "operabel gemacht werden". Weil um den Magen herum zahlreiche Lymphknoten liegen, müssten diese eventuell ebenfalls entfernt werden. Die Überlebenschancen erhöhen sich, wenn "mindestens zwei Kompartimente der Lymphknoten entfernt werden", erläuterte der Professor.

Beruhigend war, von Prof. Kullmann zu hören, "dass die Operationstechnologie sich unglaublich schnell entwickelt hat". Japan sei wegen der dort höheren Rate an Magenkrebserkrankungen auf diesem Gebiet führend. Weil deswegen aber die Magenspiegelung in Japan zu den häufigsten Vorsorgeuntersuchungen zähle "liegt die Operationsrate in Japan bei 68 Prozent, in Deutschland nur bei 25 bis 30 Prozent".

Als Untersuchungsmethoden stehen Ultraschall, CT und Endosonografie zur Verfügung. Bei Krebsdiagnose sei die wichtigste Frage "Sind schon Tochtergeschwüre vorhanden?" Magenkrebs spreche auf "Chemo" relativ gut an, sagte der Professor. Im fortgeschrittenen Stadium liege die Überlebenszeit ohne "Chemo" bei 3 bis 5 Monaten, mit dieser in ihrer modernsten Form bei rund 16 Monaten. Und Hoffnung verbreitete Prof. Kullmann auch, "denn die Entwicklung moderner Therapien schreitet weiter rasch voran."
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