Marihuana-Dealer wird von Vergangenheit eingeholt
Ein Sack voll "Gras"

(rns) Zehn Jahre nach der Tat wurde ein 35-Jähriger von seiner Vergangenheit eingeholt. Der Kraftfahrer aus Pilsen hatte im November 2004 ein Kilo Marihuana für 2000 Euro an zwei junge Deutsche verkauft. Im September 2005 lief eine weitere Lieferung, diesmal 905 Gramm, unter Beobachtung der Polizei ab. Die Kripo hatte einen der deutschen Käufer erwischt und zur Zusammenarbeit "überredet". Er wurde später zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Die Rauschgiftfahnder nahmen den Tschechen fest. Bis zur Verhandlung wurde er jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt und konnte sich so in seine Heimat absetzen. Einige Jahre reiste er daraufhin nicht wieder nach Deutschland ein. Nachdem der Ledige sich bei Polizisten an der Grenze erkundigt hatte, ob gegen ihn noch ein Verfahren laufe, bekam er die Antwort "Nein". Diese Auskunft war falsch. Aber das bemerkte der 35-Jährige, inzwischen Vater geworden, erst zu spät. Im Februar nahm ihn die Polizei in Singen fest, wo er ein Auto kaufen wollte. Am Donnerstag stand der Mann vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl.

Der Angeklagte zeigte sich reumütig und gestand die beiden Taten vollständig. Das "Gras" habe er auf einer Wiese nahe seines Heimatorts abgeerntet und, gemäß der Verabredung mit seinem Arbeitskollegen aus Eslarn, nach Deutschland gebracht. Das Landeskriminalamt hatte später festgestellt, dass die Hanfstängel noch feucht gewesen waren und der Gehalt an Tetrahydrocannabinol äußerst gering war: 1,5 Prozent. Das Rauschgift war also von schlechtester Qualität.

Trotzdem war nach Berechnung von Staatsanwältin Susanne Pamler die Grenzmenge zur "nicht geringen Menge" weit überschritten. Sie hielt dem Pilsener, der seit sechs Wochen in U-Haft sitzt, zugute, dass er nicht vorbestraft war, dass er sozial eingeordnet lebt und dass die Taten vor einem Jahrzehnt begangen wurden. Sie beantragte zwei Jahre Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten.

Rechtsanwalt Marc Steinsdörfer hatte Erfolg mit seinem Antrag, den Tschechen nur zu eineinhalb Jahren auf Bewährung zu verurteilen. Zudem mit der Forderung, dass die 2000 Euro Profit aus dem ersten Rauschgiftgeschäft durch die Justiz nicht mehr eingefordert werden. Das Geld sei längst weg. Aufgrund der langen Zeit verzichtete Heindl auf die Einforderung des Geldes.
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