Markt funktioniert nicht bei Milch

Auf 400 Personen schätzte die Polizei die Teilnehmerzahl am Protest der Milchbauern. Darunter befanden sich neben den Vertretern der hiesigen BDM-Kreisverbände auch OB Kurt Seggewiß, Landtagsabgeordnete Annette Karl und Hubert Aiwanger, Bundesvorsitzender der Freien Wähler. Bilder: zpe

70 Traktoren fuhren hupend durch Weiden. "Wir fordern keine Almosen. Wir wollen nur den Markt wieder ins Gleichgewicht kriegen", sagte Werner Reinl, Vorsitzender des BDM-Teams Neustadt. Er zeigte sich mit der Protestaktion hochzufrieden. "Man muss die Kollegen einfach mal wieder hinterm Ofen vorziehen, damit was vorwärts geht."

Weiden. (zpe) "Nichts ist teurer als billige Milch", zitierte der Tirschenreuther Kreisvorsitzende vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), Matthias Zahn, seinen Bundesvorsitzenden Romuald Schaber. Bäuerliche Betriebe orientierten sich nämlich nicht global, sondern regional. Jeder Cent, der ankomme, werde in die Region investiert.

Und deshalb protestierten die Milchbauern am Samstag in der Weidener Innenstadt gegen die unfaire Behandlung ihrer Betriebe durch Brüssel. 70 Traktoren fuhren hupend im Konvoi durch Weiden, sammelten sich auf dem Naabwiesenparkplatz. Fünf Schlepper parkten direkt vor dem Alten Rathaus. Nach Schätzungen der Polizei beteiligten sich 400 Demonstranten an der Aktion.

"Preise existenzbedrohend"

Schaber forderte von der Politik klare Rahmenbedingungen. "Wenn der Markt die Produktion nicht aufnehmen kann, dann muss er halt die Menge auch mal wieder reduzieren können, um die Preise auf kostendeckendes Niveau zu heben." Die Kosten der Milcherzeuger in Bayern lägen deutlich um die 50 Cent pro Liter. "In Deutschland bei 45 Cent." Bezahlt würden für den Liter momentan 25 bis 28 Cent. "Das ist absolut existenzbedrohend." "Da können nicht mal mehr die laufenden Rechnungen bezahlt werden. Die Leute müssen Kredite aufnehmen." Deshalb die Forderung an München und Berlin: "Endlich darauf hinwirken, dass die Blockadehaltung in Brüssel aufgehoben wird. Andere Länder wollen schon lange ein Marktverantwortungs-Programm."

Der Bundesvorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, hat den Protest der Milchbauern von Beginn an begleitet. "2008 ist es losgegangen. Und die Situation wiederholt sich." Die große Weltpolitik werde auf dem Rücken der Milchbauern gemacht. Allein die Sanktionen gegen Russland seien fatal. "Sie führen dazu, dass keine Milchprodukte mehr dorthin geliefert werden dürfen. Jetzt ist der Markt natürlich übersättigt."

Aiwanger forderte Berlin auf, wenigstens Milchpulver aufzukaufen, dies dann in die Flüchtlingseinrichtungen Afrikas zu liefern und den Interventionspreis auf mindestens 27 Cent anzuheben, statt der bisherigen 21,5 Cent. "Außerdem müssen wir die großen Lebensmittel-Einzelhändler in die Pflicht nehmen. Wir können nicht zusehen, dass Aldi, Lidl & Co. die Bauern als billige Rohstofflieferanten missbrauchen."

Auch MdL Annette Karl (SPD) konnte den Zorn verstehen. "Der Milchpreis liegt weit unter dem Herstellungspreis. Der vielgepriesene Markt funktioniert in diesem Bereich einfach nicht." Eine Besserung sehe sie nur darin, wenn sich die Milchbauern zu einem Kartell durchringen könnten, "um durch Absprachen ihre Preise wieder nach oben zu treiben."

"Da ist was faul in Europa"

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß hatte den Oberen Markt für die Demo gerne als Podium zur Verfügung gestellt. "Da ist was faul in Europa. Das bäuerliche Leben in der Oberpfalz, besonders das der mittelgroßen Betriebe ist in Gefahr." Sich mit den betroffenen Landwirten in der Stadt solidarisch zu zeigen, sei Bürgerpflicht.

Die stark sinkenden Milchpreise bringen viele Bauern in Not. Der Bauernverband befürchtet, dass Tausende Betriebe aufgeben müssen. Bilder: zpe
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