MdB Martin Burkert zum Verkehrswegeplan
Angst vor Bahnlärm: Bürger am Zug

SPD-Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch (von rechts) lud den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, Martin Burkert, zur Informationsveranstaltung nach Rothenstadt. Doch auch der Verkehrsexperte konnte bei den Anwohnern der Bahnlinie die Angst vor einem gravierenden Anstieg der Lärmbelästigung nicht ausräumen. Bild: otj
Mehr Güter auf die Schiene, Ausweitung der Lkw-Maut und die Bürgerbeteiligung beim neuen Verkehrswegeplan. Das waren die Themen des Abends, denn mit Martin Burkert, dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, hatte die SPD einen Experten zu Gast.

Das Sportheim in Rothenstadt war gut gefüllt. Beleg dafür, dass die Menschen in der Region ein großes Interesse haben an den Plänen und deren Umsetzung auf Straße und Schiene. Eine große Rolle spielt für die Bürger die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg und die Angst vor dem drohenden Bahnlärm.

Noch mehr auf die Schiene

Burkert sprach zunächst über den aktuellen Stand der Verkehrspolitik des Bundes. Laut Prognosen sei ein massiver Anstieg beim Güterverkehr zu erwarten. "Und wir müssen weiter darauf setzen, dass wir noch mehr auf die Schiene zu bekommen." Auch beim Pkw-Verkehr sei eine erneute Zunahme zu erwarten. Im Transitland Bayern ganz besonders - im Gegensatz zum Osten Deutschlands, wo mit einem Rückgang zu rechnen sei. Während der Anstieg im Bund bei etwa 8 Prozent liege, habe man in Bayern mit etwa 30 Prozent zu rechnen.

Die Ausweitung der Lkw-Maut sei bei der Speditionsbranche nicht auf Begeisterung gestoßen, betonte Burkert. Aber wenn man sehe, wie niedrig der Verkehrskostenanteil beim Warenwert zu Buche schlage, müsse man sagen: Verkehr ist zu billig. "Wenn ich einen Anzug aus Asien in Deutschland kaufe, dann sprechen wir hier von vier Prozent." Deswegen habe man die Tonnage für mautpflichtige Lkw auf 7,5 Tonnen herabgesenkt und das abgabenpflichtige Verkehrsnetz um 2100 Kilometer ausgeweitet. Bis 2018 sollten alle Bundesstraßen und alle Autobahnen für Lkw mautpflichtig sein.

Für Schienenverkehr seien über 200 Projekte eingereicht. Etwa 40 davon würden umgesetzt. Um besonders wichtige Maßnahmen zu kennzeichnen, gebe es nun eine neue Stufe im Verkehrswegeplan: einen sogenannten vordringlichen Bedarf plus.

Die Bahn sei "schwer dahinter", dass die Strecke Hof-Regensburg in diese Kategorie falle, betonte Burkert. Derzeit liege das Projekt auf Platz 13. "Ich gehe davon aus, dass es in die Top Ten kommen wird."

Lärm macht krank

Den Bürgern versprach Burkert zwei wichtige Entscheidungen im Bundestag: Die Anhebung des Budgets für Lärmschutz von 120 auf 150 Millionen Euro und die Gleichbehandlung des Lärmschutzes bei Aus- und Neubauten. "Wir werden auf allen Strecken einen Grenzwert von 57 Dezibel festsetzen." Denn Lärmschutz sei ein wichtiges Thema. Man wisse, dass Lärm nachweislich krank mache und damit europaweit einen volkswirtschaftlichen Schaden von 10 Milliarden Euro verursache. Deswegen wolle man bis 2020 alle Güterwagen unter anderem mit neuen Bremssystemen ausstatten.

Preise erhöht

Um dies zu beschleunigen, würden die Trassenpreise für nicht umgerüstete Wagen dramatisch erhöht. Die Umrüstung der Güterzüge bringe eine Lärmsenkung von zehn Dezibel - "allerdings nur, wenn alle Wagen mit neuer Technik ausgestattet werden, bei 80 Prozent sind es nur fünf Dezibel."
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