Medaillen, die kaum einer will

Die einen kämpfen um Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. Die anderen machen erst gar nicht mit beim ersten Sportabzeichenwettbewerb der Grundschulen in Weiden und der näheren Umgebung. Entsprechend enttäuscht ist der Vorsitzende des Arbeitskreises Sport in Schule und Verein.

Alle Viertklässler der Stadt und die aus der näheren Umgebung treiben an einem Vormittag zusammen Sport, haben Spaß und erhalten am Ende zur Belohnung auf jeden Fall eine Urkunde, vielleicht sogar das Deutsche Sportabzeichen. Was sich die Verantwortlichen, allen voran Ernst Werner als Vorsitzender des Arbeitskreises Sport in Schule und Verein, mit dem ersten Sportabzeichentag ausgedacht haben, war gut gemeint - und aus wissenschaftlicher Sicht dringend nötig. Dumm nur, dass am Ende nur drei Grundschulen am ersten gemeinsamen Aktionstag teilgenommen haben.

100 Schüler der Hans-Schelter-, der Rehbühlschule sowie der Grundschule Schirmitz begrüßte Werner vergangene Woche auf dem Sportgelände der Hans-Scholl-Realschule: "Kinder, ihr bekommt heute die Möglichkeit, die Goldmedaille des Breitensports zu erwerben." Doch vor der Medaille stand der Schweiß. Der floss zum Beispiel beim Standweitspringen, beim Zonenweitwerfen, beim Dribbeln von Fußbällen, beim Schwimmen auf Zeit und vor allem beim halbstündigen Ausdauerlauf mit Zielwerfen und einer Biathloneinlage am Ende des Vormittags. Für viele hat sich der Einsatz mächtig gelohnt: Sie nahmen neben der Teilnehmerurkunde auch das Sportabzeichen in Gold mit nach Hause.

"Schade, dass nicht noch mehr Schulen dieses tolle Angebot in Anspruch genommen haben." Mit diesen Worten kommentiert der Kreisvorsitzende des Bayerischen Landessportverbands (BLSV), Ernst Werner, das "zögerliche Meldeverhalten" der insgesamt 12 eingeladenen Grundschulen auf den neuen Sportabzeichentag. Die optimalen Wettbewerbsbedingungen schufen übrigens Studienrat und Seminarlehrer Christian Buschek mit Unterstützung des Sportseminars der Hans-Scholl-Realschule sowie der Klasse 7 a.

Wie wichtig so ein Tag ist, der Kinder zum Breitensport anregt, hat eine Grundschulstudie gezeigt, erklärt Dr. Michael Meier, Chef an der Hans-Scholl-Realschule. Denn adipöse Kinder seien demnach schlechter in der Schule. Sie haben größere Schwierigkeiten, den Übertritt an weiterführende Schulen zu schaffen beziehungsweise dort zu bestehen. Dazu komme, dass kräftiger gebaute Kinder oft unter einem mangelnden Selbstwertgefühl leiden würden, was wiederum zu schwächeren Leistungen in der Schule und anderen Bereichen geführt habe.

Die Kinder, die teilgenommen haben, waren jedenfalls begeistert davon, wie viel Spaß Sport macht, berichtet Werner. Wegen dieser durchwegs positiven Resonanz soll es auch in den nächsten Jahren eine Neuauflage des Sportabzeichenwettbewerbs geben - dann aber mit mehr Beteiligten, hofft der BLSV-Kreisvorsitzende.
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.