Medizin mit Stahl und Beton

Der internationale Kongress zum Thema Krankenhausbau in Weiden war ein voller Erfolg. Medizintechnik-Professor Clemens Bulitta möchte das Wissenschaftstreffen in der Oberpfalz gerne etablieren. Bild: sbü

Wie sehen die Kliniken der Zukunft aus? Antworten auf diese Frage gibt es in Weiden. Die internationale Tagung von Krankenhausplanern hat der Ostbayerischen Technischen Hochschule zu neuem Renommee verholfen.

(sbü) 200 Architekten, Mediziner, Krankenhausplaner- und Ausrüster aus fast allen Kontinenten tauschten an der OTH in Weiden ihr Fachwissen aus. Zwei Tage lang diskutierten sie über moderne Krankenhauskonzepte. Dabei standen Hygienefragen, Organisation und Raumbedarf ganz oben auf der Themenliste. Wer genau zugehört hat, sieht sein vertrautes Krankenhaus jetzt vielleicht mit anderen Augen.

Wirtschaftliche Lösungen

Krankenhäuser werden immer größer. "Im Durchschnitt benötigt ein Krankenhaus pro acht Betriebsjahre 30 Prozent mehr Nebenräume", erklärte Burkhard Schlautmann von der Hybeta GmbH, einem der großen deutschen Krankenhaus-Ausrüster. Dieser zusätzliche Platzbedarf komme zu der ohnehin ständig wachsenden Fläche der Operationsräume noch hinzu. Schlautmann war einer der Hauptreferenten am zweiten Tag des Kongresses. Zahlreiche Vorgaben hatte er für Krankenhausplaner formuliert, damit Kliniken möglichst alle Anforderungen moderner Medizintechnik und Krankenhaushygiene erfüllen können.

Dass dabei wegen stets steigender Kosten vor allem wirtschaftliche Lösungen angestrebt werden müssten, machte Schlautmann ebenfalls deutlich. Mit zahlreichen aktuellen Fotos belegte der Experte Hygieneverstöße und Organisationsmängel. Er berichtete von Krankenhäusern, in denen jeder OP-Raum über eigene Zu-und Abgänge einschließlich Waschanlagen verfügt. "Wo ist denn das Personal vorhanden, um dies alles zu pflegen?", fragte Schlautmann. In einem Beispiel zählte er sieben OP-Räume mit insgesamt 32 vorgelagerten Handwaschbecken. Bei unterschiedlicher Nutzung der OP-Räume bestehe ein erhebliches Risiko der "Verkeimung" von Wasser und Waschanlagen. In einem anderen Beispiel waren Privat- und Dienstkleidung des Pflegepersonals nicht getrennt aufbewahrt. Auf weiteren Bildern aus einem OP-Raum lag das Instrumentarium außerhalb des Bereichs der Infektionsschutzlüftung. In einem Fall war diese sogar nur an der Decke über einem Schrank installiert. Sterilgut in der Nähe eines Computerdruckers, Prothesenlager neben Entsorgungssäcken sowie ein OP-Flur als Material- und Gerätelager waren ebenfalls auf Bildern zu sehen. Schlautmanns Forderung lautete deshalb: "Die Krankenhaushygiene muss stärker in die Planung einbezogen werden. Das Raumprogramm muss den Prozessen folgen."

Müll als Problem

Professor Jürgen Altmeppen von den Kliniken Nordoberpfalz befasste sich in seinem Referat mit den Raumkonzepten der Anästhesie und Intensivmedizin. Räume in Kliniken sollten möglichst gut ausgelastet werden, erläuterte er. Deshalb empfahl er in einer "Holding-Area", in Form einer Tagesklinik, alle Bereiche der Anästhesie für unterschiedliche OP-Bereiche zentral zu bündeln. Zentralisiert werden könnte die Anmeldung in der Klinik, der Zugang zu mehreren Operationssälen und die Aufenthaltsräume des Personals. Krankenhäuser seien heutzutage große Müllproduzenten, weil fast nur noch Einmalprodukte verwendet würden. "Sorgen Sie deshalb für große Lagerungsmöglichkeiten außerhalb der OPs", empfahl Altmeppen. Für ihn steht Funktionalität im Vordergrund. "Der schwerkranke Patient muss im Mittelpunkt stehen und nicht der Patient im Luxushotel", sagte er.
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