Mediziner hält Vortrag über Männergesundheit
Auch Männer brauchen Lobby

Prof. Theodor Klotz hatte zahlreiche Erklärungen für die niedrigere Lebenserwartung der Männer. Aber er sagte auch: "Wären diese Faktoren auch bei Frauen vorhanden, gäbe es mindestens eine Ministerin für Frauenfragen zusätzlich." Bild: sbü

Kaum ein Wort über Prostata und Vorsorgeuntersuchungen. Über Erektionsstörungen war auch nichts zu hören. Medizin kommt kaum vor, wenn der Urologe Professor Dr. Theodor Klotz über Wege spricht, um die Lebenserwartung von Männern zu erhöhen.

"Wenn ein Mann mit 90 Jahren gesund ins Bordell geht und dort an einem Herzinfarkt verstirbt, hat er es mit hoher Wahrscheinlichkeit geschafft, seine genetisch vorbestimmte Lebenserwartung zu erreichen." Mit diesem Beispiel kennzeichnete der Chefarzt für Urologie, Andrologie und Kinderurologie am Klinikum Nordoberpfalz das, was er im Vortrag zum Thema Männergesundheit mitteilen wollte. Das Lachen der Zuhörer im Haus der Evangelischen Gemeinde zeigte, dass sie ihn verstanden hatten.

Vorher hatte Prof. Klotz in seinem Vortrag beim Freundeskreis Evangelische Akademie Tutzing erläutert, dass jeder den "Abzugsbalken seiner genetischen Lebenslinie, wissenschaftlich Morbiditätskompression genannt," durch richtiges Verhalten beeinflussen könne. Auch die Gesellschaft selbst könne Einfluss nehmen, dass sich die Lebenserwartung von Männern und Frauen weiter angleiche. Ein wenig sei schon gelungen: Von sieben sank der Unterschied auf fünf Jahre. Nach wie vor aber werden in Deutschland Frauen im Durchschnitt 82, Männer nur 77 Jahre alt.

Männer fühlen intensiver

Das ist nicht von der Natur so vorgegeben, erläuterte Prof. Klotz anhand der sogenannten Klosterstudie: "Wenn Männer und Frauen, wie es in den Klöstern der Fall ist, unter gleichen Lebensverhältnissen aufwachsen, reduziert sich der Unterschied der Lebenserwartung auf knapp ein Jahr." Dieses Jahr sei auf das bei Frauen doppelt vorhandene X-Chromosom zurückzuführen. Alles andere habe etwas mit Verhalten und Umwelt zu tun. Und an diese Feststellung knüpfte der Chefarzt seine Empfehlungen an die Gesellschaft und an das Verhalten der Männer.

Sie beginnen schon mit dem Kindergarten und in der Schule, für die Prof. Klotz wegen der Vorbildfunktion des Erziehungspersonals eine Männerquote fordert. Auch eine "jungenspezifische Sportförderung" hält Prof. Klotz für erforderlich, "weil das Bewegungsverhalten von Jungen anders ist". Kinder zum richtigen Gesundheitsverhalten zu bringen, hätte Wirkung für das gesamte Leben. Weil das männliche Geschlecht "alles intensiver empfinde und mache, wissenschaftlich ausgedrückt die höhere Vulnerabilität hat", seien falsches Essverhalten, der Bewegungsmangel einhergehend mit hohem Fernsehkonsum für Jungen besonders schädlich. Das Testosteron mache die jungen Männer für vieles anfälliger. Prof. Klotz empfiehlt deshalb auch, am männlichen Rollenverständnis zu arbeiten - "aber nicht Männer zu Frauen machen zu wollen". Einfluss auf die Lebenserwartung der Männer habe auch, dass Frauen "selten Berufe mit körperlichen Risiken haben". Arbeitsunfälle entfielen zu rund 90 Prozent auf Männer. Zudem sei die Suizidquote bei jungen und auch älteren Männern deutlich höher als bei Frauen. Weil psychische Erkrankung bei berufstätigen Männern die zweithäufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte sei, fordert Prof. Klotz auch für die Region Nordoberpfalz "eine Männerberatungsstelle analog Dornrose".

"Frühverrentung ist fatal"

Auch für ältere Männer hatte der Chefarzt noch zahlreiche Tipps, selbst wenn er die im hiesigen Grenzland "höhere Sterblichkeit" nicht beseitigen könne: "Frühverrentung ist fatal", stellte er fest und empfahl vor allem "drei bis sieben Mal pro Woche aerobes Ausdauertraining und generell geistige und körperliche Aktivität im Alter". Auch sei "der männliche Bierbauch gefährlicher als das Hüft-und Po-Fett der Frauen". Deshalb würden drei bis vier Mal so viele Männer an Herzinfarkt sterben als Frauen. Dabei habe die Häufigkeit der Arztbesuche auf die Lebenserwartung wenig Einfluss.
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