Mehr Hilfe bei psychischen Krisen

Thomas Fehr. Archivbild: wsb

Wer an psychischen Erkrankungen leidet, hatte es in der Region lange Zeit schwer, Hilfe zu bekommen. Jetzt gibt es aber Bewegung: Die Zahl der Psychotherapeuten steigt. Zudem ist ein 24-Stunden-Krisendienst im Gespräch. Gelöst sind alle Probleme damit aber noch nicht.

Auf diese Nachricht hat die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Nordoberpfalz lange gewartet: Der Landesausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern hat 20,5 zusätzliche Sitze für niedergelassene ärztliche Psychotherapeuten in Weiden sowie den Kreisen Neustadt/WN und Tirschenreuth zugelassen. 15 davon sind bereits besetzt. Eine positive Entwicklung, kommentiert PSAG-Vorsitzender Thomas Fehr in einem Pressegespräch.

Ein Sitz entspricht einer Vollzeitstelle für einen Psychotherapeuten. Die Erhöhung, die im vergangenen Jahr beschlossen wurde, ist immens: Zwar ist es schwer, genaue Daten zu bekommen, sie dürfte aber ungefähr eine Verdoppelung der Zahl der Sitze bedeuten. Eine Anhebung hatte die PSAG zuvor über Jahre hinweg angemahnt, weil in diesem Bereich eine Unterversorgung bestehe. Diese wirkte sich tatsächlich stark aus. Nach Erhebungen der Caritas mussten Patienten vor einem Termin beim Psychotherapeuten mit "Wartezeiten von sechs Monaten aufwärts" rechnen, berichtet Jörg Pöschl vom Sozialpsychiatrischen Dienst. Tendenz steigend. Wie groß der Bedarf ist, zeigt sich auch jetzt noch. Die durchschnittliche Wartezeit ging nach Wissen von Pöschl trotz der Erhöhung nicht spürbar zurück, wenngleich die Ausweitung natürlich erfreulich sei. Das deckt sich auch mit den Erfahrungen von Berthold Kellner, dem zweiten Vorsitzenden der PSAG Nordoberpfalz. Er berichtet von zwei Psychotherapeuten, die neu öffneten. Schon lange bevor sie ihre Praxen aufsperrten, sei ihre Warteliste bereits für die kommenden Monate voll gewesen.

Hilfe rund um die Uhr

Und noch eine weitere Verbesserung für Menschen mit akuten psychischen Krisen könnte es geben: Eine beim Bezirk angegliederte Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Frage, wie in der Oberpfalz ein spezieller Krisendienst, der 24 Stunden erreichbar ist, bei psychischen Notlagen zum Einsatz kommen könnte. Dabei geht es beileibe nicht um Einzelfälle: Psychiatrische Notfälle sind der dritthäufigste Grund für Notarzteinsätze, berichtet Fehr.

Solche Dienste gibt es bislang im Freistaat nur in Mittelfranken und Oberbayern. Für die Oberpfalz habe die PSAG schon 2001 ein entsprechendes Konzept vorgelegt, erklärt Fehr. Seit Oktober beschäftigt sich nun eine Arbeitsgruppe des zuständigen Planungs- und Koordinierungsausschusses des Bezirks mit einer möglichen Umsetzung des Krisendienstes.

Eine endgültige Entscheidung für den neuen Dienst ist damit noch nicht gefallen. Zumindest aus Sicht Fehrs hätte er jedoch einige Vorteile. Der Dienst käme beispielsweise zum Einsatz, wenn die Gefahr besteht, dass sich Menschen etwas antun oder wenn Personen akut psychotisch sind. In diesen Situationen wäre dann etwa telefonische Beratung möglich oder die Aktivierung geschulter Helfer vor Ort. Vor allem nachts, wenn es häufig zu Krisen kommt, stehen für solche Fälle bislang oft "nur" klassische Notärzte als Helfer zur Verfügung. Deren Fachgebiet sind aber naturgemäß nicht psychische Notlagen. Der Einsatz von Spezialisten wäre deshalb laut Fehr ein großer Fortschritt.
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